Ungehemmt/Entgrenzt: SCHIELE – BRUS – PALME

absturz01Zum 100. Todestag Schieles wartet das Leopold Museum neben seiner fulminanten Jubiläumsausstellung mit einer kleinen und durchaus feinen Schau zwischen Provokation und Obsession im zeichnerischen Werk von Egon Schiele, Günter Brus und Thomas Palme auf. In der Ausstellung "Absturzräume" werden die drei großen Körper-Künstler des zwanzigsten Jahrhunderts gegenübergestellt.

NACH AUSSEN GESTÜLPT
Ein fruchtbarer Querschnitt durch Werke, dessen Kraft ineinanderstrahlt, wird hier präsentiert. Ausgemergelte, gemarterte, transformierte und sexualisierte Körperdarstellungen spiegeln die ungehemmten Geister ihrer Schöpfer wider und nehmen zugleich Kritik an den herrschenden Moralprinzipien ihrer Zeit. Besonders die Werke von Günter Brus und Thomas Palme grenzen sich durch provokative Darstellungen von einem politischen und gesellschaftlichen System, das gegen künstlerische Freiheit ist, radikal ab.

PEITSCHE
Viele der ausgestellten Zeichnungen fertigte Brus im Berliner Exil an. Nach dem "Uni-Ferkeleien"-Skandal 1969 entschied er sich fürs Auswandern, da ihm sechs Monate Haft drohten. Auch Schiele musste wegen Sittlichkeitsübertretung drei Tage ins Gegfängnis. Bekannterweise waren viele seiner Modelle minderjährig und bei den Behörden entlastete ihn sein Argument des künstlerischen Interesses an den Mädchenkörpern nicht.

absturz03SEXUALITÄT
Nicht nur bei Schiele ist es meist der weibliche Körper, der dem Betrachter ausgesetzt wird. Neben der mannigfaltigen Darstellung des weiblichen Geschlechts wirken die männlichen Figuren bei Palme mager und schwach. Sadistische Tendenzen zeichnen sich bei Brus ab, außerdem werden bei ihm männliche wie auch weibliche Körperteile personifiziert, ausgetauscht, entfremdet und penetriert.

SCHWARZ AUF WEISS
Faszinierend bei Palme sowie Brus sind zudem die textlichen Elemente auf Papier. So liest man unter einer Zeichnung Brus’: Optimismus ist eine ansteckende Gesundheit. Bei Palme wiederum werden die Besucher direkt angesprochen (siehe Bild). Dadurch entsteht eine Text-Bild-Komik, die fast comic-haft wirkt.

Im kleinen Rahmen wird hier eine wirkungsvolle Werkschau mit Bekanntem und weniger Bekanntem dreier beispielloser Meisterzeichner des Körpers geboten. Noch bis 11.06.2018 zu sehen!

 

Wien. Mehr Kultur.
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