Das Kabinett des Dr. Phibes

phibesDen meisten wird es wahrscheinlich schon aufgefallen sein, dass ich ein großer Freund des Horror-Genres bin und sich deshalb eine nicht unerhebliche Anzahl der Filmreviews mit eben solchen Filmen beschäftigt. Zugleich bin ich auch ein Verfechter der Ansicht, dass man bei Filmen weniger auf ihre Hauptdarsteller, sondern auf ihre Regisseure achten sollte.

Aufgrund meiner grenzenlosen Konsequenz will ich zweitere sogleich mit einer Ausnahme (von vielen) ignorieren und meine Reviews diesen Monats einem Schauspieler widmen, der wie kein Zweiter das klassische Horrorfilm-Genre in schwarz/weiß als auch in Farbe geprägt hat. Damit gemeint ist kein andere als der wunderbare Vincent Price.

Die Handlung des Films "Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes" ist an sich denkbar einfach und altbekannt: eine Rachestory, bei der eine Reihe von Personen unter mysteriösen Umständen versterben und nur ein gemeinsamer Nenner ihrer Vergangenheit kann einen Aufschluss über das Warum herbeiführen. Die einzelnen Todesarten sind angelehnt an die Plagen des alten Testaments, wobei diese manchmal sehr bizarr ausgelegt werden (einer der Männer wird von Flughunden getötet, eine der harmlosesten Tierarten die in etwa so gefährlich wirken wie ein Kiwi-Vogel). Neben dem durchaus interessantem Einsatz dressierter Tiere werden auch Todesmaschinen eingesetzt, welche den Film in mancher Hinsicht wie eine Vorlage für die Saw-Reihe erscheinen lassen. Der Mörder ist selbstverständlich der namensgebende Dr. Phibes, der starr und getrieben von Hass und Rachsucht einen formidablen Antagonisten für die Helden der Polizei abgibt.

"Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes" - wie man diesen Namen genau ausspricht, wird übrigen auch im Film selbst besprochen - steht auf einer Vielzahl von Must-See Filmlisten und Empfehlungen. Doch wird der Film dem Hype gerecht? Wie ist er gealtert, kann er nach heutigen Standards immer noch genossen werden? Auch die Performance eines Vincent Price hat schließlich bessere und weniger gute Filme hervorgebracht, aber wenn man mich fragt: durchaus! Das Schauspiel von Price ist absolut, seine Stimme voller Poesie und gleichzeitig Wut, die Figur des Dr. Phibes, sonst eher austauschbar, ist erst durch seine Performance wirklich erinnerungswürdig geworden. Auch der Umstand, dass der Charakter nur dank einer speziellen mechanischen Vorrichtung in der Lage ist zu sprechen, unterstreicht seine einzigartige Wortfärbung und macht es zu einem Muss sich den Film im Originalton anzusehen (an dieser Stelle möchte ich ebenfalls empfehlen, sich Prices Interpretation von Edgar Allan Poes "The Raven" anzusehen).

In meiner nächsten Review möchte ich ein zweites Meisterwerk von Price begutachten, welches das scheinbar Unmögliche vollbracht hatte - schaffte es schließlich als Remake, sein Original zu überbieten und zu überstrahlen.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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