Conrad Veidt – Ein Mann, der lachte

veidt02Er war ein willenloser Zombie, die Vorlage für den Joker, ein getriebener Pianist, ein gewissenloser Nazi-Offizier und ein Kämpfer gegen Antisemitismus vor und jenseits der Kamera. Conrad Veidt war einer der wichtigsten Schauspieler des zwanzigsten Jahrhunderts, seine Filme zählen zu den einflussreichsten, die je auf der Leinwand zu sehen waren. Das Metro Kinokulturhaus widmet ihm bis 28. Februar eine umfassende Retrospektive, und so will ich es nicht versäumen, auch ein paar seiner Filme vorzustellen.

DAS KABINETT DES DR. CALIGARI (1920)
Robert Wienes Meisterwerk ist nicht nur ein Aushängeschild für den deutschen Stummfilm, sondern auch der Start für die einzigartige Karriere Conrad Veidts als mordender Schlafwandler. Als bizarrer expressionistischer Albtraum ist der Film zudem auch ein einflussreiches Stück Populärkultur, hat er immerhin, um hier nur zwei Beispiele zu nennen, das Musikvideo zu Rob Zombies "Living Dead Girl" inspiriert und 2005 sein bis dato letztes Remake bekommen (insgesamt gibt es fünf, von denen eines eine Parodie namens "Das Kabinett des Dr. Larifari" ist), in dem Doug Jones, bekannt als der Amphibienmensch aus den "Hellboy"-Filmen und "The Shape of Water", in die Fußstapfen von Conrad Veidt tritt.

 ORLACS HÄNDE (1924)
Nach dem Roman von Maurice Renard. Der Pianist Orlac verliert bei einem Zugunfall seine Hände und bekommt stattdessen jene des Mörders Vasseur angenäht. Diese haben auf einmal ein Eigenleben und scheinen die mörderischen Triebe ihres Vorbesitzers nicht abstreifen zu können. Wieder eine wunderbare Inszenierung von Robert Wiene, die auch nach über neunzig Jahren nach ihrem Entstehen nichts von ihrer beklemmenden Atmosphäre eingebüßt hat.

THE MAN WHO LAUGHS (1928)
Verfilmung des gleichnamigen Victor Hugo Romans, in der Conradt Veidt als von einem despotischen König grotesk entstellten Adeligen auftritt, der die Vorlage für den Batman-Charakter "Joker" bildete. Das Minenspiel Veidts ist derart verstörend, dass der Film "Jew Süss" (1934), lange vor Veit Harlans antisemitischem NS-Hetzfilm "Jud Süß" (1940), vom in England und den USA arbeitenden Regisseurs Lothar Mendes produziert wurde - in der Hauptrolle: Conrad Veidt. Es war auch das Jahr, in dem Veidt mit seiner jüdischen Frau nach England immigrierte. Er selbst gab aus Solidarität oft an, Jude zu sein. Dies gesellt ihn zu Schauspielgrößen wie Charly Chaplin, der zum einen ebenfalls aus solidarischen Gründen nie dementierte, jüdischer Herkunft zu sein und zum anderen neben Albert Einstein bei der Premiere des Films in New York im Publikum saß. Leider wird dieser Film vom Nazipropagandastreifen selbst so überschattet, das oftmals selbst respektable Filmkritiker und Filmhistoriker nur mechanisch reflexartig die Handlung des Harlan-Films wiedergeben.

CASABLANCA (1942)
Im deutschsprachigen Raum durch eine desaströse Synchronfassung Jahrzehnte als entpolitisierter Romantikschinken vertrieben, ist Casablanca in Wahrheit doch das berühmteste Statement gegen den Nazismus, das Hollywood hervorgebracht hat. Veidt verkörpert den sardonischen Major Strasser, einen Nazi, der den aus dem Konzentrationslager geflohenen Widerstandskämpfer Victor Laszlo (Paul Henreid) nach Deutschland zurückbringen soll. Der Cast des Films liest sich wie ein Who-is-Who der Exilschauspieler Deutschlands und Frankreichs: Peter Lorre, S. Z. Sokall und Madeleine Lebeau, um hier nur einige zu nennen. Unter anderem natürlich sind Humphrey Bogart und Ingrid Bergman in den ikonischen Hauptrollen des Films zu erwähnen.

Dies ist naturgemäß nur ein kleiner Abriss des filmischen Schaffens Conrad Veidts. "Der Student von Prag", "Der Kongress tanzt", "The Thief of Bagdad", und viele weitere sind noch zu erwähnen. Also nichts wie auf zum Metro! Vor allem die Stummfilmaufführungen sind mit der musikalischen Unterstützung von den Hauspianisten des Metro Kinokulturhauses, Benedikt Vecsei und Gerhard Gruber, wirklich eine einmalige Erfahrung.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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