Madame Aurora und der Duft von Frühling

Während letzte Woche Dienstag um etwa halb sieben Ortszeit alle Menschen in Wien den sintflutartigen Regenmassen zu entkommen versuchten und schlussendlich wie nasse Hunde gerochen haben, war ich zum ersten Mal alleine im Kino – was ich nur wärmstens empfehlen kann. Vom Regengerangel habe ich nichts mitbekommen.

Mein Vorteil war natürlich, dass das Filmcasino in meiner Nähe ist und ich somit keine wirklich weite Reise unternehmen musste, um in den Genuss des Films zu kommen. Während also der Regen auf das Dach des Kinos prasselte, genossen zehn Leute darin einen typisch französischen Film.

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Über die mangelhafte Übersetzung von Titeln verschiedener Genres kann man anscheinend ganze Bücher schreiben, und langsam frage ich mich wirklich was es damit auf sich hat. Einen Mehrwert erlebt das Publikum dadurch nicht. Auch hier trifft sie nicht so ganz zu. Im Original "Aurore", auf Deutsch "Madame Aurora und der Duft von Frühling". Man assoziiert damit, dass der Film im Frühling spielt – tut er nicht, und das es wahrscheinlich um ein Erwachen oder ähnliches von Aurora geht – tut es ebenso nicht.

Eigentlich fällt die Hauptdarstellerin nicht aus der Reihe. Man begleitet sie in ihrem Alltag in einer nicht näher genannten französischen Hafenstadt. Man erlebt, wie sie sich mit ihren dann doch noch nicht so ganz erwachsenen Töchtern herumschlägt, wie es mit etwa fünfzig Jahren ist, sich einen neuen Job zu suchen oder wie sich die Wechseljahre äußern und welche Qualen man dabei zu erleiden hat, weil man sozusagen ausgetrocknet oder aufgebraucht ist, wie es ein charmanter Arzt erklärt. Ein tatsächlich erschütterndes oder weltbewegendes Ereignis passiert nicht oder besser gesagt: Aurora lässt es nicht so groß werden.

Und natürlich geht es auch um die Liebe. Ohne die geht es ja nicht. Um die Liebe zu einem ehemaligen Schulkollegen. Ganz vergessen hat sie ihn nie und er sie auch nicht, aber es wäre ja kein Film, wenn es kein Hin und Her gäbe. Jedoch wirkt es hier nicht so erzwungen wie in anderen Streifen à la Hollywood.

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Besonders schön ist die Beziehung zu ihren Töchtern. Eine soll in den nächsten Wochen mit dem Studium beginnen und hat gerade ihren ersten Freund. Die andere ist schwanger und unzufrieden mit ihrem bisherigen Leben. Und so sorgt sie sich um die zwei, wenn die eine Liebeskummer hat und in Depressionen verfallen wird, weil es sich ja doch um ihre große Liebe handelt. Oder die andere Tochter genug von der Schwiegermutter in spe hat. Aurora nimmt alles ernst und macht sich nie lustig über die Probleme ihrer Kinder. Denn sie weiß, dass sie früher genauso war.

Auch finden sich einige lustige Szenen darin. Als zum Beispiel Aurora am Arbeitsamt mit der Vermittlerin spricht und über ihr bisheriges berufliches Leben erzählt und dabei auf ihren Ex-Mann zu sprechen kommt, der sie nie in seiner Firma angemeldet hat, obwohl sie dort gearbeitet hat, rastet diese komplett aus und lässt eine Hasstirade auf alle Männer los, die erwarten, dass man nicht nur arbeitet und sich um die Kinder kümmert, sondern auch noch den Haushalt schmeißen soll!

"Madame Aurora und der Duft von Frühling" ist ein wunderbar unaufgeregter Film über das Leben. Er ist langsam und hetzt einen nicht durch die Handlung. Die Hauptdarstellerin fühlt sich wohl und das merkt man. Wer wieder einmal einen etwas ruhigeren, angenehmen, nicht zu kitschigen und erfreulichen Film sehen will, sollte sich unbedingt für diesen entscheiden.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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