Gut - Besser - Slasher.

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Vom 20. bis 30. September 2018 ging das 9. "/Slash Festival des fantastischen Films" über die Bühne und es gab dank eines abwechslungsreichen und üppigen Filmprogramm einiges zu berichten. Wie jedes Jahr haben die OrganisatorInnen, unter der Leitung von Markus Keuschnigg, keine Mühen gescheut um den BesucherInnen ein einzigartiges Erlebnis zu bescheren, von Q and A’s mit Schauspiellegenden über thematisch passend dekorierte Kinosäle bis zu Live Wrestling war alles und noch viel mehr dabei.

Den Auftakt des Filmfestivals machte die am 18.9. von Thimfilm organisierte Presse-Preview für "Mandy" im Gartenbaukino. Dieser Film ist für jeden Cineasten 2018 ein MUSS. Wie eine DnD-Session mit Charles Manson als Spielleiter. Wie der abgefahrenste Albtraum, den man je hatte. Wie eine LSD-Vision von der Hölle in Zeitlupe. "Where the mystic swims, the psychotic drowns. I swim… you drown."

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DAS ERSTE WOCHENENDE
Am Donnerstag ging es dann so richtig los, aber über die Eröffnung im Beisein von Nicolas Cage und Udo Kier wurde, denke ich, anderenorts ausgiebig berichtet. Hier soll eher über die kleinen, intimen und daher auch umso spannenderen Momente des Festivals gesprochen werden. Der erste Film, den ich mir im regulären Programm sah, war "Puppetmaster: Littlest Reich" mit einer Einführung von Udo Kier. Es war sicherlich ein ganz besonderes Erlebnis, den 13. Teil der Slasher-Filmreihe im altehrwürdigen historischen Saal des Metrokinos zu sehen. Auch hier sei gewarnt, es ist kein Film für die Zartbesaiteten unter uns, denn die mordenden Nazipuppen schrecken vor keiner noch so politisch inkorrekten Grausamkeit zurück.

slash04Im Anschluss daran (no pun intended) sah ich das für mich zumindest überaus berührende Drama "Freaks", welches in einer der neu angelegten Schienen des Festivals "Legendaries" lief. Der Film wird als Maskottchen des Filmfests ab heuer jedes Jahr im Programm sein. Dieses Sprachrohr für Inklusion, Repräsentation der Vielseitigkeit des Programms, aber auch der Menschen hinter der Organisation und des Publikums ist eine wirklich gute Wahl. Passend dazu hatten die Buffetarmbänder für Presse und Mitarbeiter den wohl wichtigsten Satz des Filmes eingraviert: "We accept you as one of us, one of us, Gobble Gobble".

Am nächsten Tag ging es dann bei mir munter mit "Schamlos" weiter, Udo Kiers erster Film, den er selbst seit 50 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Ein wilder Exploitation-Film aus dem 68er-Jahr, gedreht in Wien, heute schier unmöglich. Danach gab es wieder eine kleine Fragerunde mit Herrn Kier, moderiert von Markus Keuschnigg, bei der es kurz sehr ernst wurde, als jemand aus dem Publikum das Schicksal des Regisseurs Eddy Saller thematisierte. Dieser verarmte, vereinsamte und starb in den frühen 2000ern, wurde mehrere Wochen nicht gefunden und liegt heute in einem Armengrab am Zentralfriedhof. Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Zwischenfall hier erwähnen sollte, soll es doch bei einem Filmfestival in erster Linie um Spaß, um Unterhaltung gehen, aber eigentlich ist das "/Slash" ja gerade bekannt dafür, kein normales Filmfestival zu sein, denn hier geht es immer um die Balance aus Dramatik, Humor und Horror. Und wie Festivalorganisator Keuschnigg auch goldrichtig anmerkte: "Auch das ist Österreichischer Film." Wobei es auch, viel allgemeiner, hätte heißen können: "Auch das ist Österreich."

slash03LUCHA LIBRE: IDENTITÄTSTIFTENDE KUNST DES WRESTLINGS IN MEXIKANISCHER POPULÄRKULTUR
Donnerstag war im Filmcasino der Tag des Wrestlings. Der wurde mit einer Erstaufführung der restaurierten Fassung von "Santo vs. Evil Brain" zelebriert. Der Klassiker der Wrestlingfilmgeschichte wurde während der Kubanischen Revolution gedreht und ist Schlock bester Güteklasse! Nach einem Live-Wrestlingmatch im Kinosaal(!) ging es mit dem Crime Drama "Lowlife" weiter. Tarantino-esque komödiantische Elemente treffen auf ein Crime-Millieu in einem USA-Mexiko Grenzgebiet. Beide Kulturen existieren nebeneinander, miteinander, aber auch gegeneinander.

DER LETZTE TAG
Am Sonntag ging das "/Slash", wieder im historischen Saal des Metro-Kinos zu Ende. "The Monster Squad", der Klassiker für "beinahe" alle Altersklassen, war ein würdiger Abschlussfilm für ein tolles und spannendes Festival, besonders in Kombination mit dem im Anschluss gezeigten "Wolfman‘s got Nards", eine absolut einzigartige Kinoerfahrung, die amüsiert, schockiert, nachdenklich macht und auch ein bisschen nostalgisch werden lässt. Kurz: Das ganze Festival in zwei Filmen! Zu guter Letzt folgte noch die John Ajvide Lindqvist Filmadaption "Border" (orig. "Gräns"), ebenfalls ein Fantasyfilm mit absolut humanistischem Mehrwert, über den ich eigentlich gar nicht so viel verraten will.

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EIN KLEINES FAZIT
Zum Abschluss bleibt mir eigentlich nur Danke zu sagen, an sämtliche netten Saaleinlasser, Organisatoren, Vorführtechniker, Ticketabreißer, Buffetangestellten, die Festivalfotografin, die uns nicht allzu seltsam aussehen ließ und selbstverständlich auch an unsere nette Pressebetreuerin. So geht Filmfestival!

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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