BILDENDE KÜNSTE

Gleich zwei Welten der Romantik

pippalHans Robert Pippal (1915-1998) ist eine überschaubare Personale im obersten Stockwerk gewidmet, welche eine Brücke von seinen Anfangsjahren im Nachkriegs-Wien bis zu seinem u.a. sakrale Themen umfassenden Spätwerk schlägt.

Seine träumerischen Pastelle sind – man kann es nicht anders sagen – eine Gegenposition zu der damals vorherrschenden künstlerischen Avantgarde und deren abstrakter Malerei der 1950er Jahre. Hans Robert Pippal bleibt stets der Gegenständlichkeit verhaftet. Anstatt künstlerisch über die Schrecken des Krieges zu reflektieren, interessiert ihn vielmehr das von Menschen, Fiakern und Litfaßsäulen bevölkerte Wien. Es ist ein Wien, wie wir es noch heute kennen. Lieblingsmotive bleiben in den spätimpressionistischen Stadtveduten stets die im Winter von Schnee bedeckten Straßen der österreichischen Hauptstadt, wenn die Flocken beim Theater in der Josefstadt oder am Burgring lautlos niederprasseln. Von saftigem Grün dominierte Alleen im Schönbrunner Schlosspark sind da eher die Ausnahme.

Obwohl diese Art der "belanglosen" Motivwahl hier und da kritisiert wird, ging es Pippal vielleicht gerade darum, durch seine Zeichnungen dem quälenden und besonders auch für den Künstler selbst schmerzenden Krieg, in dem er schwer verwundet wurde, zu entfliehen, sich seine Welt so angenehm wie möglich zu schaffen, auch wenn "nur" mit der Pastellkreide oder dem Kohlestift.

"Kein Revolutionär" und "Spiegel seiner Zeit" werden Pippal und sein Œuvre im Pressetext bezeichnet. Solche Zuweisungen und Kategorisierungen könnten sich gar nicht besser dazu eignen, die alte Frage nach dem Zweck der Kunst aufzuwerfen. Soll Kunst zum Denken anregen, mitten ins Herz treffen, das Innerste bewegen oder einfach nur schön und dekorativ im Raum hängen? Das mag wohl alles irgendwie, irgendwo zutreffen, schön anzuschauen sind seine Arbeiten dennoch – und sie bereiten Freude. Reicht das nicht?

Die als Überblicksschau aufgebaute Retrospektive zeigt aber auch eine andere, weniger romantisch-träumerische Seite des 1998 verstorbenen Malers. Vielmehr beängstigend und etwas düster kommen seine Illustrationsgraphiken daher, die er u.a. für Bücher, Zeitschriften und Plakate schuf. Da sehen wir in expressiver Kreuzschraffur-Technik à la Alfred Kubin so Grotteskes wie einen Mann, der kurz davor steht, sich seine linke Hand mit einer Säge abzuschneiden, oder einen nebulösen Clown im Mondschein vor einem Zirkuszelt.

Dabei lernt man bald noch viel mehr über den gebürtigen Wiener, der sich zeitlebens unterschiedlichen Stilen, Motiven und Techniken bediente, um seine Sujets auf das Papier zu bringen. Eine gewisse Vielseitigkeit ist spürbar und auch sichtbar. So setzte er sich v.a. in seiner Interieur- und Stilllebenmalerei mit kubistischen Tendenzen auseinander, die er durch Studienreisen und Ausstellungen kennenlernte. In die Schublade des Kubismus lassen sich seine Werke aber dennoch wahrlich nicht stecken.

Auch seine vielen Reisen durch Europa hielt er in seinen Werken fest. Das Ergebnis sind pittoreske Straßenzüge voll schrill eingefärbter Häuserfronten am Montmartre, Straßenverkäufer an der Seine oder zarte Frauengesichter vor ihren bunt leuchtenden Blumenwägen.

Was immer man am Ende des Besuches von dieser Ausstellung halten mag, so wird dem neugierigen Besucher in jedem Fall ein guter Überblick über das Schaffen von Hans Robert Pippal geboten. Dies wurde allein durch großzügige Schenkungen seiner Tochter, Martina Pippal, möglich, die heute selbst als Künstlerin und Prof. für Kunstgeschichte arbeitet.

Die Ausstellung kann noch bis zum 28. März 2016 in der Albertina besucht werden.

 

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