BILDENDE KÜNSTE

Disco im Museum

olafurDie barocke Prunkstiege in der ehemaligen Stadtresidenz des Prinzen Eugen von Savoyen (1663–1736) wird derzeit vollständig in gelbes Licht getaucht. Monofrequenzleuchten sind an der Decke angebracht und lassen uns die Umwelt wahrlich in einem ganz anderen Licht erscheinen. Die Wände, Lüster und gar das Deckengemälde werden zu s/w-Bildern reduziert. Ja sogar die Menschen wirken in dem Licht wie alte s/w-Fotografien, deren Haut gräulich glänzt. Zudem wird alles viel klarer und schärfer wahrgenommen, die Augen fühlen sich inzwischen leicht überfordert.

Die wenigsten unter uns werden Physiker, Architekten oder Mathematiker sein und dadurch die technischen Komponenten hinter den oftmals sehr komplexen Arbeiten von Eliasson nicht immer vollends nachvollziehen können. Dennoch kann vermutlich jeder und jede etwas mit ihnen anfangen, sie zum Teil sogar interaktiv erleben.

"Your uncertain shadow (colour)" von 2010 besteht aus fünf nebeneinander auf dem Boden aufgestellten HMI-Leuchten, die auf eine weiße Leinwand gerichtet sind und in verschiedenen Farben erstrahlen. Bewegt sich nun der Besucher vor den Lichtern, ergeben sich auf der leeren, noch unbeschriebenen weißen Fläche vor ihnen unterschiedlich stark eingefärbte Silhouetten ihres Körpers. Das Werk hängt also ausschließlich vom sich durch den Raum bewegenden Betrachter ab, ohne diesen gibt es auch "Your uncertain shadow" nicht.

Neben solchen vom Menschen abhängigen Arbeiten besteht die Personale aber noch aus ganz anderen Werken, die Olafur Eliassons künstlerische Bandbreite erst richtig erlebbar machen. Immerhin erfährt der Besucher, dass Eliasson nicht nur mit Lichtinstallationen gekonnt umzugehen weiss, sondern auch Objekte, Fotografien und Filme produziert. In "Your windy corner" (1997) erhebt er gar Alltagsgegenstände wie Ventilatoren, welche dem Besucher Luftströme entgegenblasen, zum Kunstwerk – so wie es einst Marcel Duchamp (1887-1968) mit seinen Readymades getan hatte und damit die Grenzen der Kunst sprengte. Verbindendes Element all dieser verschiedenen Ausdrucksformen ist aber die menschliche Wahrnehmung und die Wirklichkeit, welche sich in ständiger Wandlung befindet.

So spielt der Künstler unter anderem mit unseren Wahrnehmungsgewohnheiten, indem er zum Beispiel einen halbkreisförmigen Messingring von fünf Metern Durchmesser ("Wishes versus wonders", 2015) über dem Boden schweben lässt, wobei seine offenen Enden einen Spiegel berühren. Es entsteht eine Verdopplung und Erweiterung des Kreises in einen Raum, den es eigentlich gar nicht gibt, da dieser nur durch die Spiegelwand existiert.

Überhaupt fühlt man sich in der Ausstellung wie in einem fast durchgängigen Spiegelkabinett, da die Prunkräume des Palais durch besagte Wand - hauchdünn und dadurch leicht in Vibration zu versetzen - durchzogen werden. Das stete Überlappen und Falten der gespiegelten und realen Räume desorientiert den Besucher zusätzlich.

Bei all diesen Erforschungen der Umwelt und Umgebung verwendet der Künstler für die meisten seiner Objekte Licht in verschiedensten Farben und Formen. Dadurch entsteht nicht selten ein Gefühl des Unwirklichen, Surrealen. Das Zusammenspiel der Farben in "New Berlin Sphere" (2009), einem an eine Discokugel erinnernden Gebilde aus Spiralen, bunten Edelstahlplatten und einer Glühbirne, zeigt dies besonders eindrücklich. Die rautenförmingen Platten werden mittels der Glühbirne im Innern der Kugel an die reich verzierten Wände des Winterpalais projiziert. Mindestens genauso spektakulär kommt "Your shared Planet" aus dem Jahr 2011 daher. Es versetzt nicht nur die Sinne ins Staunen, sondern katapultiert uns gleichzeitig auch in glückliche Tage unserer Kindheit, als Kaleidoskope zur großen Faszination wurden. Eine Reihe individuell geformter farbiger Kaleidoskope eröffnen facettierte Ansichten des Raumes in den unterschiedlichsten Farben und Formen. Discofeeling im Museum gab es in dieser Form noch nie!

Wenn ihr eure persönlichen Eindrücke der Schau für die Öffentlichkeit festhalten möchtet, dann könnt ihr das, indem ihr eure Fotos und Reaktionen auf Social Media: #OlafurBaroque teilt. Fotografieren ist nämlich bis zum Ende der Ausstellung am 6. März 2016 ausdrücklich erwünscht.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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