BILDENDE KÜNSTE

Moderner Maler wider Willen

balthusDie mit dem Titel Balthasar Klossowski de Rola – BALTHUS versehene Ausstellung im Kunstforum bezieht alle Schaffensphasen des polnisch-französischen Künstlers (1908-2001) ein. Von den frühen Porträts und Landschaften, über die skandalumwobenen Akte, sowie Bildnisse von Bekannten und Freunden in Paris, bis zu seinen farbenfrohen Theaterausstattungen und dem von Fotografien dominierten Spätwerk.

Balthus, der sich selbst als ,,König der Katzen“ bezeichnete, blieb der Gegenständlichkeit stets verhaftet. Auch in einer Zeit in der diese eigentlich überhaupt nicht mehr zu passen schien. War doch insbesondere die Nachkriegskunst durch die gestische Malerei eines Jackson Pollock, die sich vor allem in den USA etablierte, präsent und bahnbrechend.

Seine frühen Porträts erinnern an klassische Bildnisse der Renaissance. Verständlich, hatte Balthus doch schon in frühen Jahren in Italien Künstler wie Masaccio oder Piero della Francesca studiert und kopiert.

Die späteren, der Neuen Sachlichkeit zuzuordnenden Porträts sind im Gegensatz dazu von einer Unbarmherzigkeit und Direktheit geprägt, die keine Hässlichkeit verschleiern wollen und in denen oftmals etwas Mysteriöses, Unerklärliches inne wohnt.

Wie der Maler selbst betonte, wollte er in seinen Werken immer etwas Rätselhaftes anwesend wissen. Bisweilen mischt sich dieses Rätselhafte mit einer gewissen Unheimlichkeit, welche sich, gepaart mit surrealistischen Momenten, beispielhaft in der Grossen Komposition mit Raben zeigt. Auf einem Bett liegt eine nackte und leidend anmutende Frau, über ihr ein schwarzer Rabe auf einem Holzbrett, der sie neugierig beobachtet. Vor dem Bett ist ein kleiner Mann, der an eine Puppe erinnert, zu sehen, während eine katzenartige Gestalt ganz in seiner Nähe liegt. Seine Inspiration für eine solche Darstellung holte sich Balthus vermutlich aus Lewis Carrolls‘ Roman Alice im Wunderland, der ihn zeitlebens beschäftigte.

Genau wie viele seiner Bilder bleibt auch unerklärlich wieso Anfang 2014 eine geplante Balthus-Ausstellung im Essener Folkwang-Museum nach Protesten abgesagt wurde. Gezeigt werden sollten unter anderem eine Serie mit Polaroids eines halbnackten Mädchens, die der Künstler ihn hohem Alter geschossen hatte. Diese dienten als Vorlage für die Gemälde, wie Ingried Brugger, Direktorin des Kunstforums, in einem Interview bestätigt. Obwohl Balthus selbst einst zugegeben hatte, Akte mit dem Ziel der Provokation gemalt zu haben, ist dennoch kaum zu glauben, dass bereits in der Entstehungszeit der vielen gemalten Akte, diese Aufsehen erregten. Gerade im Hinblick darauf, dass die weibliche Nacktheit schon viel früher und in viel extremerer Form bei Manet, Schiele oder Degas Thema war.

Neben den zahlreichen Frauenakten interessiert ihn aber auch besonders die Welt der Tiere, was das graphische Kabinett der Schau demonstrativ vor Augen führt. Da sehen wir einen Mann im Anzug mit dem Kopf eines Hais, eine Froschdame in elegantem Kleid oder eine hydraähnliche Gestalt mit dem Kopf einer Katze. Humor muss der Mann gehabt haben! Es zeigt sich, dass nicht alles was Balthus schuf vom Unergründlichen und Beängstigenden geprägt ist. 


Die Schau, noch zu sehen bis zum 19. Juni,  wurde von bedeutenden Leihgebern aus internationalen Museen, wie dem Centre Pompidou in Paris oder dem Metropolitan Museum of Art in New York großzügig unterstützt.

 

Wien. Mehr Kultur.
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