BILDENDE KÜNSTE

Ein Ort an dem die Zeit still steht

1888 vom wohl berühmtesten Jugendstil-Architekten Otto Wagner (1841-1918) für sich und seine Familie als repräsentatives Sommerpalais errichtet, ist das Gebäude heute Sitz des Ernst Fuchs Museums und dessen Privatstiftung. Bereits seit den 1930er Jahren faszinierte die Villa den Künstler (1930-2015), der seiner Mutter und sich einst versprach, das Gebäude irgendwann einmal zu erwerben. 1972 war es dann endlich soweit und Fuchs konnte aus eigenen Mitteln die Otto Wagner-Villa erstehen. Bis 1986 dienten die großzügigen Räumlichkeiten dem Begründer der Wiener Schule des Phantastischen Realismus als Atelier. 1988 konnte schließlich das Ernst Fuchs Museum eröffnet werden, womit sich der Künstler einen Lebenstraum erfüllte.

W3Das Museum ist in vielen Dingen anders als das "gewöhnliche" 08/15 Ausstellungshaus. Kein großer und lichtdurchfluteter Eingangsbereich mit Drehtür, in den man hinein kann wann es einem beliebt. Stattdessen finden wir uns vor einer Tür an der Rückseite des Hauses wieder und müssen klingeln, bevor wir von einem netten jungen Mann in Anzug freundlich begrüßt und hereingebeten werden. Keine Schließfächer für die man sonst Münzen braucht, ein alter Schrank tut es immerhin auch – sehr sympathisch, wie wir finden. Unmittelbar darauf darf der neugierige Besucher dann auf eigene Faust oder im Zuge einer Führung chronologisch durch die individuell gestalteten Räumlichkeiten schlendern und sich nicht nur mit der eigentümlichen, aber überraschend sich ergänzenden Mischung aus Wiener Jugenstil und Phantastischem Realismus erfreuen, sondern auch große Teile von Fuchs vielfältigem Œuvre bewundern. Obwohl für seine buntfarbigen und großformatigen Ölgemälde bekannt, wird schnell klar: Fuchs hatte mehr zu bieten. Besonders minutiös und feinmalerisch gearbeitete kleine Ölgemälde finden sich beispielsweise im ehemaligen Speisezimmer. Sie sind von der altniederländischen Malerei eines  Jan van Eyck inspiriert.

Das Gebäude wurde in großen Teilen im Sinne Wagners saniert. Jedoch stammt heute vieles nicht mehr aus der Zeit der Jahrhundertwende. Da vom Interieur kaum noch etwas erhalten war, mischte sich bald der Charme des Fin de Siècle mit dem sehr speziellen Stil von Ernst Fuchs, der Möbel, Tapeten und viele Details, wie Türklinken nach seiner persönlichen Ästhetik gestaltete.

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Der sogenannte Adolf Böhm-Saal ist der einzige noch im Original erhaltene Teil der Villa und seit 1900 unverändert geblieben, mit Ausnahme der expressiven Zeichnungen des Phantastischen Realisten, die nun an den Wänden hängen und seine schrecklichen Eindrücke im zerbombten Wien der frühen Nachkriegs-Jahre dokumentieren. Alle Details sind erhalten, vor allem die prachtvollen großflächigen Tiffany-Glasfenster von Adolf Böhm, einem Künstlerfreund Wagners, die den Wienerwald im Wandel der Jahreszeiten darstellen und gleichzeitig die größten in Österreich bekannten profanen Jugendstilfenster sind.

Wie auch der Villa selbst etwas Mystisch-magisches anhaftet, so ist dies auch in zahlreichen Bildern des Künstlers der Fall. Themen wie die Mythologie und die Bibel, aber auch Sexualität, Krieg, Tod und Apokalypse beschäftigten den Maler Zeit seines Lebens. Durchbrochen werden diese nicht selten negativ konnotierten Sujets durch Blumenbilder sowie Landschaften.

Das schlussendlich Faszinierende des märchenhaften Gebäudes geht vor allem von der Verschmelzung zweier Stile aus. Durch die Möbel und Details des Hauses, die Fuchs selbst gestaltete, wird der noblen Villa ein gemütliches Ambiente übergestülpt, in dem man sich wohl fühlt und gerne verweilt.

Im Rahmen legendärer Empfänge und Sommerfeste traf sich dort die elegante Wiener Gesellschaft – von Gustav Klimt und Josef Hoffmann, bis zu Adolf Loos oder Gustav Mahler. Und so gehen auch heute noch die Besucher ein und aus und erfreuen sich an den Werken, Möbeln und zuweilen auch an dem Gefühl der Verlassenheit und einer stillgestellten Zeit der Otto Wagner-Villa.


Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 10:00-16:00 Uhr für Besucher geöffnet. 

Fotocredits im Artikel:
1| Porträt "Cornelia" (Detail); Foto: Una Matanović
2| Großer Salon, Foto: Nikolaus Neureiter

 

 

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