BILDENDE KÜNSTE

Land & Leute in Bildern

Aus heutiger Sicht sind kleine Gletscherfotos auf Silbergelatinepapier, die vor rund 150 Jahren aufgenommen wurden, natürlich nicht beeindruckend. Wir sind schließlich Großbild-Panorama-Aufnahmen von allen möglichen Motiven gewohnt und dementsprechend Pompöses braucht es auch, um Aufmerksamkeit zu erregen. Gut, diese Tatsache macht den Einstieg ein bisschen schwierig. "Land & Leute" beginnt nämlich genau damit: Land, also alte Gletscheraufnahmen wie von Gustav Jägermayer, und Leute, beispielsweise Portraits der Landbevölkerung von Henry Peach Robinson oder Heinrich Kühn. Gegenüber neueren Fotografen muss man ihnen aber jedenfalls ein gutes Auge für Bildkomposition zugestehen, auch die Natur ist auf den Fotos perfekt in Szene gesetzt und Schneewehen oder Almwiesen genügen als Hintergrund.

landleute05Man merkt auch an den Fotos schnell, dass mit dem neuen Jahrhundert neue Ansichten gekommen sind, die Portraits von Rudolf Koppitz oder Peter Paul Atzwanger aus den 1930ern sind nicht nur Fotografien einzelner Menschen sondern fast schon Milieustudien zu ländlicher Bevölkerung und der Arbeiterschicht. Koppitz legt beispielsweise den Fokus auf die Gesichter der Menschen oder Details wie Hüte, die in einem seltsamen Widerspruch mit dem heutigen Alltag stehen. Atzwanger dagegen konzentriert sich auf das Szenische, zeigt etwa durch den Wohnraum das Elend der Arbeiter.

landleute04Die Auswahl der Bilder, die Ausstellung zeitlich halbwegs chronologisch aufzubauen, erscheint zwar logisch und veranschaulicht auch die Entwicklung der Fotografie, teilweise wird den Werken so aber Wirkungsspielraum weggenommen. Die großen Fotos ab den 1970ern wirken – auch durch die schlichten Rahmen – großflächig und plakativ. Auch die Szenenauswahl verändert sich, so sind beispielsweise Manfred Willmanns Fotos der Serie "Das Land" nicht nur Land und Leute, sondern zeigen Alltagssituationen aus ungewöhnlichen Blickwinkeln. Allerdings auf eine seltsam greifbare Art, als ob die Bildausschnitte außerhalb des Rahmens einfach in der Umgebung weitergehen würden. Willmanns Stil wird später von Paul Kranzler aufgenommen, seine Szenerien sind ebenso farbig und ausdrucksstark, die Bildserie "Tom" ist wie Willmanns Werke eine Reihe von Alltagssituationen, die durch das Einfrieren im einzelnen Bild plötzlich eine unglaubliche Sonderstellung bekommen.

landleute03Ganz anders sind dagegen die Aussagen von Seiichi Furuyas Fotos. Ruhiger, wieder ohne Farbe, dafür mit kurzen Sätzen zur Bedeutung der Grenze unterlegt. Aber auch hier: Furuya hat den Ausdruck in den Gesichtern der Portraitierten eingefangen, die erklärenden Sätze sind eine Erklärung für die Gesichtsausdrücke, warum man diese ansieht – zur Konfrontation mit der Realtität ansehen muss – ist selbsterklärend.

Ein prägendes Kapitel der Fotografie ist schließlich noch das Thema der amerikanischen, sozialkritischen Fotografie. Besonders in den USA wurde die neue Technik positiv aufgenommen, bis in die 1970er und 1980er waren szenische Abbildungen der gesellschaftlichen Konflikte besonders beliebt, von Rassismus bis Umweltverschmutzung wurde auf diese Methode fast jedes Thema abgehandelt.

Wie bei vielen Ausstellungen wird auch bei "Land & Leute" der kleine Nebenraum für diesen thematischen Exkurs genutzt, Spielraum ist so aber nicht ausreichend vorhanden. Die Fotos von Joel Sternfeld oder William Eggleston wirken zwar, allerdings kann kein Abriss der gesellschaftspolitischen Missstände, die auf den Bildern abgehandelt werden, entstehen.

Die Ausstellung "Land & Leute" ist bis 30. Oktober 2016 in der Albertina zu sehen.

 

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