BILDENDE KÜNSTE

Ein Österreicher und seine Ausstellung

Kurz vorweg genommen und zusammengefasst ist Herr Wurm Gegenwartskünstler. Einer mit vielschichtigen und spektakulären, sowie durchaus humorvollen Projekten und Ausstellungen. Erwin Wurm, der gebürtige Steiermärker und Anfang Sechzigjährige sieht nicht nur unverschämt gut aus sondern hat auch noch viel zu bieten. Zu einem Besuch in der Berlinischen Galerie in der deutschen Hauptstadt ließen wir uns daher nicht lange bitten, denn wer bereits von Erwin Wurm hörte, weiß, dass seine Ausstellungen stets das gewisse Extra haben und alles andere als langweilig sind.

Erweiterung, Erneuerung und Vorausdenken. Erwin Wurm wird in der Kunstszene vieles zugesprochen und dies auch mit Freuden, vernimmt man doch immer wieder die positiven Pressestimmen, dass er trotz des ganzen Heckmeck um seine Person erfrischend allürenfrei geblieben ist.

wurm003Erst im vergangenen Jahr erhielt er den „Österreicher des Jahres“, ein Preis in der Kategorie Kulturerbe, bei welchem die Leser der Tageszeitung „Presse“ über die Gewinner abstimmen. Viele weitere Auszeichnungen heimste er bereits zuvor ein.

Erwin Wurm begeistert durch seine Möglichmachung jedes Objekt, jede Tätigkeit oder auch schlichtweg dich und mich zum Gegenstand seiner Kunstinterpretation werden zu lassen. Besonders an Menschen hat der kreative Kopf seine Freude: „One Minute Sculptures“, seine Installation, die sogar die Red Hot Chilli Peppers inspirierte und welche unteranderem in Berlin zu sehen war, sowie andere Werke aus den frühen 1990ern bis hin zu Neuesten, lässt die Leute zwar auf einen Sockel klettern, um sich innerhalb einer Mini-Performance selbst zu verlieren, doch die Art und Weise wie dies geschieht, mit welcher Leichtigkeit er sich Alltagskniffen bedient und dadurch den Menschen anregt zum Denken über sein Handeln, aber ihm auch gleichzeitig die Freude am Ausprobieren gibt, gerade durch die Wahl seiner Aufforderung selbst zur Aktion der Performance zu werden. Dies macht sein Künstlerisches Schaffen erheblich aus. Denn ohne das Publikum und dessen Ausprobierneugier gäbe es die „One Minute Sculpture“ gar nicht, Erwin Wurm macht uns in diesem Sinne also ein Geschenk an uns selber.

wurm002Was mich dabei sehr faszinierte, war die Tatsache das der Künstler mit einem Material arbeitet und spielt, welches er selbst nicht einmal in den Händen halten muss. Einzig hoffen kann er, dass die Besucher seinen Aufforderungen Folge leisten, um „One Minute Sculpture“ zu werden, so wie er sich das erdachte. Dass das Konzept aufgeht und auch funktioniert, sieht man bereits beim Betreten der Ausstellung. Hier stecken, stülpen oder legen sich Menschen auf Gegenstände und befolgen artig die, größtenteils geschriebenen aber auch hin und wieder gemalten, Anweisungen Wurms zu den jeweiligen Stationen. Es gibt keine Anreihung oder Abfolge nach welcher man durch die Räumlichkeiten gehen muss, ist eine der Exponatflächen belegt, bleibt man entweder stehen und schaut zu wie ein Anderer sich abmüht oder geht weiter zur nächsten freien Aufgabenstation mit Gegenstand und versucht sein eigenes Glück.

Schnell wird einem bewusst, dass es bei all den auszuführenden Handlungen um eine Bewusstmachung des Perspektivwechsels geht. Lässt man sich darauf ein, wird man rasch in den Bann gezogen und Jung und Alt machen zu gleichermaßen mit, die einen mit anfänglicher Skepsis, die anderen mit kindlicher Begeisterung. Eins haben sie aber alle gemeinsam, das breite Grinsen, wenn eine Aufgabe erfolgreich eine Minute lang durchgehalten wurde, möge sie auch noch so skurril gewesen sein. Da gibt es zum Beispiel die Aufgabe des „Idioten“, man nehme einen Stuhl und stelle sich mit diesem in einer absurden Pose am Körper geheftet hin, verharre die eine besagte Minute, fertig. Oder man schnappt sich seine Begleitung und verschwindet mit den Köpfen in einer Hundehütte, welche als Beichtstuhl dient. Was man unterm Strich für sich selber raus zieht, dass ist die große Frage – oder auch nicht. Da es unter Umständen auch nichts mit einem macht. Jeder reagiert anders auf die einzelnen Aktionen, dies macht die ganze Ausstellung zu einem kleinen Spektakel.

wurm001Was auf jeden Fall „etwas“ mit einem macht, ist ein weiteres und viel größeres Exponat. Es handelt sich dabei um das Modell des Elternhauses des Künstlers, mit dem Namen „Narrow House“ oder wie der Künstler selbst es auch keck betitelt „Bei Mutti“. Hierbei behandelt er die Thematik der Enge der 70er Jahre auf eindrucksvolle Weise. Er stellt es in verzerrter Optik und gestaucht auf die Breite von 1,10 Meter aus. Damit reicht es zwar nicht an das schmalste Haus der Welt in Amsterdam heran, aber es bereitet dennoch ein ganz eigenes Gefühl beim Betreten und Betrachten der einzelnen „Zimmer“. Einige Impressionen zur besseren Visualisierung findet ihr nachfolgend

Bleiben wir gespannt und vorfreudig was Erwin Wurm uns in Zukunft noch alles vorsetzen wird und womit er unsere Sinne und Empfindungen heraus kitzelt. Sicher ist, dass wir diesen Österreicher noch gut im Auge behalten sollten, denn wenn einer die Besucher aus der Starre hinter dem sprichwörtlichen Ofen vorlocken kann, dann er.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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