BILDENDE KÜNSTE

Albertina Film Stills

 

filmstillsDie Albertina eröffnete am 4. November ein Kooperations-Projekt mit dem Österreichischen Filmmuseum, das sich ganz der Darstellung von 130 film stills widmet. Besonders filmbegeisterte Besucher werden beim Schlendern zwischen den Fotographiehybriden auf ihre Kosten kommen und die Lust verspüren, all die klassischen (Hollywood-)Filme wiederzuentdecken und zu befragen. Kurz: Die Ausstellung macht Lust auf mehr! Zu unserem Instawalk geht es hier.

Film Stills bilden eine hybride Schnittstelle zwischen Fotographie und Film, deren Aufgabe immer in ihrem Entstehungskontext vordefiniert war: Während des Drehs am Filmset aufgenommen, stellen sie unter anderem Schlüsselfilmszenen, die extra für die Fotokamera nachgestellt und inszeniert werden, dar, um schließlich als Werbeformate auf Plakaten, lobby cards, Fotobüchern uvm. gedruckt zu werden und repräsentativ-ästhetisch auf den Film aufmerksam zu machen. Die bewegten Szenen des Filmes, die zwar durch Skript beschrieben, sich aber Zufällen, Details und Brüchen entfalten, werden in einem Medienwechsel zu statischen Szenen transformiert. Neue Maßstäbe und Voraussetzungen gelten für diese: So spielt die fotographische Zentralperspektive plötzlich eine größere Rolle, die Fotographen orientieren sich oft an Kunstrichtungen und -stilen und am seherzentierten und präferierten Schauen der Guckkastenbühne: Die Stills müssen funktional und klar sein.

filmstills01Unter den 130 für die Ausstellung zusammengetragenen Film Stills, die zwischen 1902-1975 auf dem Höhepunkt der schwarz-weiß Fotographie entstanden, finden sich Portrait-Aufnahmen der SchauspielerInnen, Szenefotos und Produktionsfotos. Aus ihrem Kontext herausgegriffen, jenseits ihres Verwendungszweck können diese nun als eigenständige fotographische Arbeiten zu analysiert und verstanden werden, die nicht nur Vorstellungen von Filmen, sondern auch das kulturelle und kollektive Bildgedächtnis maßgeblich geprägt haben.

Besonders prägnant sind so gerade Stills wie das Starportrait Marlene Dietrichs in Sternbergs „Shanghai Express“, das, nachträglich retuschiert, maskenhaft und glamourös, Diskurse zum Stardom und Laura Mulveys Texte zum klassischen Hollywoodkino und der Fetischierung der Frau anstieß. Viele der Fotographen schmierten auch Vaseline auf ihre Kamera um einen besonders weichzeichenden, romantischen Effekt zu erzeugen.

filmstills02Das Herausholen und Wiederentdecken der Szenen macht es möglich, die eigenen Erinnerungen an den Film zu befragen und Schlüsselbilder wie das des hochwehenden Kleids Marilyn Monroes im Film „Das verflixte siebte Jahr“ Billy Wilders, in ihrer Werbekraft und Prägung zu erkennen. Obwohl diese Szene im Film so gar nicht zu sehen ist und die Szene vom Fotographen Sam Shaw extra gestellt und interpretiert wurde, erreichte das Gedächtnisbild des U-Bahnschachts bald Kultstatus und wurde zu einem der bekanntesten und kultbildensten Abbilder Monroes.

Eine empfehlenswerte Ausstellung für Film- und Fotographiebegeisterte, aber auch für alle, die es noch werden wollen.

film stills läuft in den Galleries for Photography der Albertina noch bis zum 26. 02. 2017. Am 30. November findet um 17.30 Uhr eine Kuratorenführung durch die Ausstellung statt und am 10. Januar 2017 kann man an einem Artist Talk zwischen Fotoexperten Philippe Garner und Fotograph Keith Hamshere teilnehmen.

 

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