BILDENDE KÜNSTE

Einfach mal SCHAUEN

bognerWir wissen: die Vorweihnachtszeit ist stressig. Wir wissen aber auch: wir dürfen uns halt auch nicht immer stressen lassen. Zu meinem persönlichen Anti-Stress-Repertoire gehören immer wieder Besuche im Museum. Verweilen in Räumlichkeiten, in denen irgendwie die Zeit stillsteht, einfach mal bloß eines tun: Schauen. Und im besten Fall sogar Gefallen an dem Gesehenen finden. In den großen Wiener Museen klappt das derzeit ganz gut. Eine kleine Auswahl:

Im mumok kann man seit kurzem durch die Welt Július Kollers (bis 17. April) spazieren: die eindrucksvolle Retrospektive des slowakischen Künstlers bildet ein amüsantes Sammelsurium an dessen ab den 1960er-Jahren entstandenen „Antihappenings“ und „Antibildern“. Sollten seine Positionen innerhalb der Neoavantgarde ein bisschen gar zu ironisch oder radikal empfunden werden, so kann man auch wunderbar Zeit in der ebenfalls im mumok derzeit geöffneten Schau „Konstruktion_Reflexion“ (bis 17. April) verbringen. Diese zeigt Werke aus der Sammlung Gertraud und Dieter Bogners – ein herrliches und vor allem sinnliches Erlebnis, liegt der Fokus hier nämlich auf konzeptueller, konstruktivistischer und geometrisch-abstrakter Kunst. Also: Formen und Farben, wohin das Auge reicht.

götterGleich in der Nähe, im Leopold Museum, gibt es nach wie vor die Ausstellung „Fremde Götter“ zu bewundern (bis 9. Jänner). Wer diese noch nicht gesehen hat sollte schleunigst hin: die dortigen Exponate zeigen unter anderem künstlerische Ausdrucksformen aus Afrika und Ozeanien, welche im frühen 20. Jahrhundert europäische Kunstschaffende wie Pablo Picasso, Ernst Ludwig Kirchner oder Max Ernst beeinflusst hatten. Es ist ein faszinierender Dialog zwischen zwischen Ethnographica und Werken der Klassischen Moderne, den das Leopold Museum hier geschaffen hat.

Einen interessanten Sammlungs-Einblick bietet ebenso das 21er-Haus, wenn dort momentan mit „Die Sprache der Dinge“ (bis 22. Jänner) schöne, sogenannte Materialgeschichten zu begutachten sind. Ausgangspunkt bieten die 1960er-Jahre mit der Frage nach Materialitäten innerhalb der künstlerischen Produktion, ein Bogen wird dann zu aktuellen Auseinandersetzungen gespannt. Hierbei kreist man um das Thema der Digitalisierung und der daraus entstehenden Gegenüberstellung von Materialität und Immaterialität.

biedermeierWenn auch nicht geographisch weit entfernt, so wird man zumindest zeitlich gesehen ganz schön weit in die Vergangenheit katapultiert, wenn man im Unteren Belvedere der Frage „Ist das Biedermeier?“ (bis 12. Februar) nachgehen möchte. Hier gibt es die Entwicklung der Malerei zwischen 1830 und 1860 zu sehen, anhand repräsentativer österreichischer Werke, die oft eigenständig hervorragen und nicht immer gänzlich mit dem Begriff „Biedermeier“ zu verbinden sind.

shungaWer aber irgendwie mehr Bock auf Exotik und Erotik hat, der sollte sich nicht die Ausstellung „Shunga“ im MAK (bis 29. Jänner) entgehen lassen. Japanische Farbholzschnitte zeigen hier die Auseinandersetzung mit Themen wie Nacktheit oder Sexualität aus früheren Zeiten. Spielerischer Umgang mit Geschlechtlichkeit, die Vereinigung zweier Menschen und eine Ladung Humor machen das Ganze zu einer höchst erfreulichen Erfahrung, von dem virtuosen Handwerk des Holzschnittes ganz zu Schweigen.

 

Mit Vorfreude kann man übrigens noch folgenden Ausstellungen im Dezember entgegenfiebern: Eine Schau zu Georgia O’Keeffe ab dem 7. Dezember im Kunstforum Wien sowie „Sarah Morris. Falls Never Breaks“, ab 8. Dezember in der Kunsthalle Wien (MuseumsQuartier) . In diesem Sinne: eine stressfreie und Museumsgeladene Vorweihnachtszeit!

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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