BILDENDE KÜNSTE

Zwischen Kunst und Selbstreflexion

schieleEgon Schiele zählt zu den bekanntesten österreichischen Künstlern des Expressionismus. Mit seinen Aktzeichnungen und Selbstportraits hat er eine Werksammlung geschaffen, die sich durch seinen eigenen Stil auszeichnet. Schiele erkennt man deshalb automatisch, die Bilder sprechen eine eigene Bildsprache.

Schon in Vorbereitung auf Schieles hundertsten Todestag 2018 zeigt die Albertina jetzt eine Sammlung von Kohlezeichnungen, Aquarellen, bekannten und unbekannten Werken Schieles. Sein Lebenslauf bildet den roten Faden der Ausstellung. Schon der Kontrast der ersten drei Selbstportraits zeigt seine rasche künstlerische und persönliche Entwicklung. Vom 16-jährigen Schüler, der an der Akademie der bildenden Künste aufgenommen wird, in nur drei Jahren zu einem Ausdruck, der von Protest und innerer Zerrissenheit geprägt ist.

Viele der ausgestellten Bilder sind klarerweise Selbstportraits und Aktzeichnungen. Die Kuratoren haben ganze Arbeit geleistet, einige der Bilder überraschen immer noch. Teilweise bilden sie eine Masse, doch wer länger davor stehen bleibt, findet bei einzelnen immer neue Aspekte. Besonders bei einigen Aktzeichnungen und den frühen Portraits von Arbeiterkindern sind überraschend intensive Gesichtsausdrücke und Blicke zu sehen.

Auch die Kontraste der Aktzeichnungen sind zu spüren. Viele leben von der reduzierten Linie und ihrer Simplizität. In späteren Jahren hat Schiele oft mehr Details eingewoben, hoch geschobene Röcke und provokante Blicke eingebaut. Rund um 1910 hat er mehrmals seine Schwester und junge Mädchen gezeichnet, der jugendliche Körperbau steht in harten Kontrast zu der Erotik, die in den Bildern ausgedrückt wird. Bei einigen führt der explizite Fokus auf die sexuelle Provokation schon fast zu dem Gedanken, dass pädophile Hintergründe dahinterstecken könnten. Andererseits war es wohl der direkteste Weg für Schiele gegen die für ihn konservative Gesellschaft zu rebellieren.

Die Ausstellung verbindet die bekannten Werke Schieles mit unbekannten Aspekten. Landschaftsbilder und schlichte Zeichnungen, die man so gar nicht erwartet hätte. Schiele ist für die überspitzte Darstellung, für seinen expressionistischen Zugang bekannt. Dazwischen finden sich aber trotzdem Portraits und Kohlezeichnungen, die einem das Gefühl geben, die abgebildeten Personen verstehen zu können.  Nicht überraschend daran ist, dass es sich dabei um späte Auftragsarbeiten handelt.

Insgesamt entsteht ein Eindruck von Schieles künstlerischer Entwicklung, ein Abbild seiner Karriere. Gleichzeitig spielt dabei auch seine persönliche Entwicklung eine Rolle, individuelle Zugänge und eigene Erlebnisse. Obwohl die wegen seines expressionistischen Stils nicht eindeutig interpretiert werden können, sind sie doch zu erahnen. Deshalb ergänzt Schieles Totenmaske als letztes Ausstellungsstück genau diesen Kontext noch einmal.

Die Ausstellung Egon Schiele ist bis 18. Juni in der Albertina zu sehen.

 

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