BILDENDE KÜNSTE

Licht- und Dunkelphasen

 

lightsoff001Donnerstagabend. Ein Kampf gegen den eisigen Wiener Wind, der den Winter einfach nicht gehen lassen will und der so unverkennbar und unerbittlich an dunklen Märztagen durch die Gassen bläst. Also lieber den Mantel enger ziehen auf dem Weg ins Brick-5.  Wohin? Rechts die Stiegen hoch an zwei steinernen Hunden vorbei, die den Eingang zum Veranstaltungssaal bewachen. Noch mehr Stufen hoch, Parkett, hohe Fenster, Menschen mit Weingläsern. Rot oder Weiß? Prost. Stimmengewirr mischt sich mit der Wärme des Lichts und der Wärme des Raumes.

Dort fand vergangenen Donnerstag, den 9. März 2017 die Vernissage zu „Lights Off! – Dark is my Delight (Imitations of light in five settings)“  statt. Fünf Künstlerinnen greifen in ihren Arbeiten die Präsenz von Licht in künstlerischem Schaffen auf. Denn Licht- und Dunkelphasen beschreiben seit jeher eine markante Komponente der Kunst und bestimmen unseren Alltag. Die Omnipsäsenz von Licht in einer Welt der fortschreitenden Digitalisierung ist nicht zu übersehen. Dort, wo Licht erhellt, wirft es auch Schatten. Erst die Existenz der Dunkelheit macht das Licht sichtbar. Dieser Kontrast von hell und dunkel findet sich auf unterschiedlichste Art und Weise in den ausgestellten Werken wieder.

lightsoff02Bei Betreten des Raumes fällt der Blick sogleich auf Gerda Prantls Installation „Von Haifischkrägen, Holländischen Hauben und African (Dutch) Wax“, die Textpassagen in „einer Art Gedankenschleife“ an die Wand projiziert und das Element Licht als Katalysator der Projektion versteht. Die Betrachterinnen und Betrachter werden entführt in eine schwarz-weiße Welt aus fließenden Buchstaben.

Im Kontrast dazu stehen die Arbeiten von Doroteya Petrova, deren Bilder von Farbe dominiert werden. Rot, orange, gelb, grün, blau, violett – Lichtbrechung als Basis für das Entstehen und Wahrnehmen von Farben. Diese Arbeiten laden besonders zum Verweilen ein, denn je länger man die filigranen, teilweise bestickten Zeichnungen betrachtet, desto mehr lässt sich darin entdecken. Die durch bunte Perlen verursachten Erhebungen werfen echte Schatten und erzeugen zusätzliche Bilder auf den Zeichenflächen.

lightsoff03Licht wirft Schatten. Zwei gemalte Tennisbälle zieren die Wand, die Illusion eines Schattens wird durch zwei am Boden befindliche schwarze Skulpturen erzeugt. Zornitza Gurovas Skultpturen vereinen Malerei und plastische Darstellung.

Schatten ist schwarz. Licht ist weiß. Dieser Gegensatz findet sich auch in den Fotografien von Karin Czermak wieder. In ihrer Protraiserie entwickelt sie Positiv-Negativ-Abdrücke fotografisch weiter und erschafft spannende Licht-Schatten-Spiele, die die abgebildeten Menschen in einer neu konstruierten räumlichen Dimension erscheinen lassen.

Wagt man sich hinter einen Vorhang, entkommt man der ständigen Beleuchtung. Dunkelheit. Pause. In Cinthia Mitterhubers Dunkelkammer und der Lichtbox werden räumliche Dimensionen durch Licht erzeugt. Hier kann man verweilen, der permanent erleuchteten Welt entkommen und Lichterzeugendes dunkel werden lassen.

Lights Off.
Man sieht sich im Licht.
Man findet sich im Dunkel.

Die Austellung ist jedoch leider nicht weiter zu sehen. Wegen der zahlreichen Veranstaltungen im Brick-5 musste der zeitliche Rahmen auf zwei Tage begrenzt werden. Das Brick-5 offeriert ein buntes Programm differenter Veranstaltungen, deren Besuche sehr zu empfehlen sind.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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