BILDENDE KÜNSTE

Barrocke Üppigkeit

Peter Paul Rubens zählt als Klasse für sich und hat diesen Ruf nicht umsonst. Das Kunsthistorische Museum widmet ihm deshalb die neue Ausstellung "Rubens. The Power of Transformation" und zeigt gewisse Vorgehensweisen seiner Arbeiten damit auf, wie unterschiedliche Phasen seiner Werke andere beeinflussen und antike Studien Vorlagen für religiöse Werke sind.

Am meisten Spaß macht Rubens aber, wenn man die theoretischen Hintergründe vergisst und sich einfach auf die Bilder einlässt. Rubens' Bilder zeigen Körper in einer Sinnlichkeit, an der sich jede Anti-Bodyshaming-Kampagne nur ein Beispiel nehmen kann. Die aktuelle Ausstellung widmet sich gut zur Hälfte Rubens' Bildern über griechische Mythologie, ein Schwerpunkt sind die Venus-Bilder. Rubens geht in ihnen auf diverse Geschichten ein, die Entwicklungsstadien der Venus und die Entstehung des Mythos rund um sie – inklusive der plakativen Bilder von Venusfesten.

Faszinierend daran ist, wie Bilder von nackten Menschen und barocken Putten nicht unbedingt in Gelage ausarten, sondern teilweise Zärtlichkeit spürbar ist. Besonders in den kindlichen Gesten und Gesichtern der Putten liegt viel Ausdruck. Insgesamt schafft Rubens es bei diesen Akten auf Körper einzugehen und in Alltagssituationen oder einfachen Positionen eine Erotik der Körper darzustellen, die in vielen Aktfotografien nicht möglich ist. Möglicherweise liegt das zwar nur an der Größe der Bilder und der Qualität der Ölfarbe, aber die Wirkung ist trotzdem intensiv.

Ähnlich ist es bei den Geschichten der Diana. Der Wettbewerb der Göttinnen und Paris' Vergabe des Apfels zeigen nicht nur drei Frauen, die um einen Mann buhlen, sondern auch die Intensionen dahinter. Nicht als tatsächlich dargestellte Emotion, Rubens drückt es viel mehr durch die Körperhaltung der Personen aus.

Der zweite Teil der Ausstellung widmet sich religiösen Bildern. Wie viele zu der Zeit hat auch Rubens sich intensiv mit der katholischen Geschichte auseinander gesetzt. Blendung, Wunder und Himmelfahrten dominieren hier. Teilweise sind wesentlich mehr Personen auf einem Bild zu sehen; Die Ausschnitte teilweise umfassen mehr Geschehen, als bei den mythologischen Bildern. Auch dadurch geht manches verloren, Mimik und Gestik sind wesentlich kleinteiliger, auf den übergroßen Bildern noch schwieriger zu erkennen.

Aber auch die Bilder sind stark, sprechen für sich. Spannend ist auch der Kontrast, in den die Ausstellung sie setzt. Studien von antiken Zentauren dienen als Vorlage für den Körper des gekrönten Jesus, die Kunst der Zeiten vermischt sich, Zeitepochen werden für die Darstellung der Leiber irrelevant, Rubens konzentriert sich auf die Körper selbst.

Ähnlich sollte man auch mit den Bildern selbst umgehen. Der Vergleich ist spannend, doch der Fokus sollte am Werk selbst liegen. Und auf den Details, die durch all die Schichten Ölfarbe entstanden sind.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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