BILDENDE KÜNSTE

Flächen von Überlegungen: Gironcoli im mumok

Das mumok zeigt noch bis 27. Mai die groß angelegte Retrospektive "Bruno Gironcoli – In der Arbeit schüchtern bleiben". Die BesucherInnen werden durch die verschiedenen Werkphasen des Künstlers geführt, bei denen der Fokus auf seiner malerischen sowie grafischen Tätigkeit liegt. Dabei entstehen Synergien von Ideen, Materialen und Assoziationen, die unabhängig voneinander existieren und als eigene Kunstform zelebriert werden.

NACH GOLDE DRÄNGT
Im Erdgeschoss des mumoks zieht es Besucher auf magische Weise in den ersten Ausstellungsraum, schimmern voluminöse goldene Statuen einen doch schon vom Foyer ins Auge. Gironcolis Ausbildung zum Gold-, Silber- und Kupferschmied spiegelt sich in seinen Werken augenscheinlich wider; in seinen Plastiken wie auch Malereien greift der Künstler metallische Aspekte in unterschiedlichem Ausmaß auf und verarbeitet sie so zu "im Raum ausgebreitete Fläche[n] von Überlegungen.1

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DEN MENSCH VERDINGLICHEN – DAS DING VERMENSCHLICHEN
In seine Plastiken, die präzise und perfekt versiegelt wirken, ist eine Ansammlung von Vorstellungen des Menschlichen und der Dinge zu Metallwesen verschmolzen worden. Die Fusion erlaubt den Komponenten neue Beziehungen zueinander, die fesselnd auf den Betrachter wirkt. Die Suche nach neuen Ausdrucksformen hat sich bei Gironcoli in den 1960ern aufgedrängt, um der postfaschistischen Konsumwelt eine eigenständige Perspektive entgegenzuhalten, so die Kuratorin Manuela Ammer. Die Entwicklung zu einem Konglomerat aus Fetisch und Futurismus sieht man im massigen Gold-Karussel-Gebilde aus dem Jahr 1997, das die Divergenzen Bewegung/Stillstand, Leben/Tod und Maschine/Mensch miteinander in glänzendem Gold verbindet. Das „Ungeborene“ steht dabei gleichzeitig zwischen und über den Dingen.

gironcoli01VOM ENTWURF ZUR GEBRAUCHSANWEISUNG
In vielen seiner malerischen Werke, die oft die Bezeichnung "Ohne Titel" oder "Entwurf (Nummer I, II, ...)" verliehen bekamen, greift der Künstler seine eigenen Skulpturen auf und verleiht ihnen Nutzen. Dies ist besonders interessant, wenn man seine präzise abgeschlossenen Plastiken betrachtet, die zwar assoziationsbeladen, in ihrem Wesen jedoch absolut gebrauchsfern wirken (spielt man doch nicht mit Gold und Silber). In seiner Bildsprache wird er zudem konkreter, zu den kryptischen Formen gesellen sich Totenschädel, Affen, Glühbirnen, Hakenkreuze und Herzen und Ähren sowie Madonnen, die durch Provokation und Dekonstruktion aufregen.

Auf zwei Stockwerken widmet sich das mumok ausgiebig dem Werk Bruno Gironcolis. Im Erdgeschoss wird hierbei dem Staunen und der Kontemplation mehr Raum gelassen, was die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Kunstformen umso spannender macht.


 1 Vgl. mumok-Begleitheft

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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