BILDENDE KÜNSTE

World Press Photo 18

EIN JAHR IN BILDERN
Am 13. September fand die "World Press Photo 18"-Ausstellung ihren fulminanten Einstand in Wien. Seit 1955 wählt eine Organisation jedes Jahr unter den Massen von Bildern, die uns jeden Tag durch die Pressemedien geliefert werden, eine Handvoll aus. Jene Bilder, die uns die wichtigsten Ereignisse des Jahres am greifbarsten machten, die uns emotional aufrüttelten und Tatsachen verdeutlichten, die wir oft nicht sehen wollen.

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Hierbei sind nicht nur die Themen breitgefächert, sondern auch die visuelle Qualität der Fotos. Einige vermitteln wichtige Nachrichten und sind dabei äußerst ästhetisch wie Anna Boyiazis Foto mit dem Titel "Freiheit finden im Wasser". Es zeigt vier Mädchen, die mit leeren Kanistern an der Brust auf dem Wasser schweben. Ein starkes Bild für sich, jedoch ist die Geschichte dahinter noch beeindruckender, denn die Schülerinnen der Kijini-Grundschule lernen auf diese Art zu schwimmen und erhalten somit mehr Selbstständigkeit. Obwohl Sansibar von Wasser umgeben ist, lernen die meisten weiblichen Einwohner diese Fähigkeit nie.

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Andere, wie David Beckers Bildreihe zu dem Massaker in Las Vegas, sind nicht solch ästhetische Kunstwerke, jedoch ist dies auch nicht ihr vorrangiger Anspruch. Wie bei der Heisenbergschen Unschärferelation der Fotografie, ist es bei einigen Fotos wichtiger, was anstatt wie abgebildet wird.

DIE WAHRHEIT IN EINER POST-FAKTISCHEN ZEIT
Während der Eröffnungsrede von Tarek Leitner fielen Begriffe wie Inaugurationsfotos, Photoshop, Donald Trump und Lügenpresse. Denn während wir Bilder oft immer noch für schlagkräftige Beweise halten für etwas, das passiert ist und zwar genauso wie abgebildet, ist dies leider nicht immer der Fall. Natürlich sind Retuschen nichts Neues, doch das Bearbeiten von Fotos ist durch moderne Technik so leicht geworden, dass dazu kein Fotolabor oder Spezialisten mehr benötigt wird. Eine Person mit Smartphone kann innerhalb von kürzester Zeit selbst recht passable Veränderungen an der Realität vornehmen. Obwohl wir das wissen, lassen wir uns doch allzu gerne täuschen, denn wir glauben gerne, was wir sehen. Außer den gefährlichen Auswirkungen dieser Schwäche hat die Fotografie auch eine Magie und eine Kraft, Dinge zum Positiven zu verändern. Denn oft, wenn wir Nachrichten vom anderen Ende der Welt erhalten, können wir sie gar nicht begreifen – Fotos machen Ereignisse und Tatsachen nachvollziehbar und greifbar.

EINE WELT, VIELE GESICHTER
Da der Fokus der Ausstellung überwiegend auf Geschichten beruht, die von außerhalb der EU kommen, bietet sich die Möglichkeit, Probleme, die uns hier vielleicht gänzlich fremd sind, zu erfassen. Durch Bilder gehen sie unter die Haut und lassen – im Gegensatz zu politischen Tendenzen, die uns oft weismachen wollen, dass es nur uns und die Anderen gibt – mit etwas Empathie reagieren.

Einige Probleme sind nicht "unsere" wie Bandenkriege, von denen Europa zum Großteils verschont ist, doch andere Fotografien behandeln Themen wie das massenhafte Sterben von bedrohten Tierarten oder die Vermüllung unserer Erde und genau an diesen Beispielen sieht man, dass wir an einem Strang ziehen – oder ziehen sollten.

Glücklicherweise, um die Ausstellung nicht zu düster werden zu lassen, bietet sie nicht nur Geschichten von Problemen, sondern auch von Lösungen.

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Luca Locatellis Fotostrecke mit dem Titel "Hunger Solutions" über die Niederländischen Erfolge, Lebensmittelanbau effizienter zu gestalten, zum Beispiel. Oder Neil Aldridges Bild mit dem Titel "Waiting For Freedom", das ein Nashorn zeigt, das in einer Ecke liegt und mit einer roten Binde die Augen verbunden hat. Ein starkes Foto, das auf den ersten Blick von einem ganz anderen Ereignis erzählen könnte, als jenes, das wirklich dahinter steckt. Die Wahrheit ist erfreulicherweise, dass dieses Nashorn im Okavango Delta in Botswana in die Freiheit entlassen wurde. Eine schöne Geschichte zu einem beeindruckenden Bild.


World Press Photo 18
Galerie Westlicht
14.09. - 21.10.2018

 

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