BILDENDE KÜNSTE

Ungesehene Schätze des Museums

WES ANDERSON kennt man ja eigentlich aus dem Kino. Die letzten zwei Jahre hat er aber nicht nur mit Filmen verbracht, sondern hat auch gesucht. Gemeinsam mit seiner Frau, der Künstlerin und Autorin JUMAN MALOUF, nach den sogenannten verborgenen Schätzen in den Archiven des Kunsthistorischen Museum Wiens. Und damit in denen des Ephesos Museums, der Hofjagd- und Rüstkammer, der Musikinstrumente- und Münzsammlung, außerdem dem der kaiserlichen Schatzkammer, der Wagenburg und des Schloss Ambras. Es gibt ganz schön viel zu sehen.

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Genauer gesagt 400 Ausstellungsstücke. Und damit kommt auch schon der interessantere Aspekt dieses Artikels. In der Ausstellung "SPITZMAUS MUMMY IN A COFFIN AND OTHER TREASURES" wurden nämlich nicht nur unter Anleitung der beiden noch nie ausgestellte Bilder, Skulpturen und Gebrauchsgegenstände aus den Archiven geholt, sondern auch eigens arrangiert – wie es wohl noch selten gemacht worden ist.

Denn die hohen, leeren Räume, die man so sehr mit dem Kunsthistorischen Museum verbindet, sieht man kaum. Ein einziger stellt schon die ganze Bühne für die Sonderausstellung dar, dafür wurden gleich sechs neue Räume aufgebaut. Gut, die Vorgehensweise ist auch legitim, schließlich werden teilweise wesentlich kleinere Sachen als sonst ausgestellt, da benötigt man nicht so viel freie Wandfläche, sondern mehr Vitrinen. Aber zuerst zum Konzept.

UNTYPISCHE GEMEINSAMKEITEN
Jeder kleine Raum hat eine eigene Farbe und ein eigenes Motto. Der grüne Raum hat eigentlich nur seine Farbe als Anleitung, es gibt einen für Kinderportraits und einen für Tiere. Teilweise ist das Thema eher ein Gefühl, das eigentliche Konzept ist bei den drei anderen zumindest für mich nicht ganz greifbar gewesen. Persönlich ist das kein allzu großes Versagen. Denn Wes Anderson beschreibt im Introtext zu Ausstellung beispielsweise, dass die Zusammenstellung von einer Perückenkiste und einem Futteral einer Krone wegen der Relevanz von Scharnieren und der klaren Form der Objekte getroffen wurde. Das wäre im Zuge der Arbeit auch nicht immer für die Kurator_innen des Museums nachvollziehbar gewesen, es muss sich also niemand beim Besuch einen Vorwurf machen.

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BILDER, NIPPES UND KURIOSITÄTEN
Grundsätzlich stellt sich bei Ausstellungen aber ja nie nur die Frage, wie sie zusammengestellt sind, sondern noch mehr, was zu sehen ist. Schon alleine aufgrund der schieren Menge an Ausstellungsstücken ist die Antwort hier einfach "viel", das Wort "Kuriositätenkabinett" wirkt ausgesprochen passend. Besonders, da viele Dinge so klein sind, sind es viele. Zwar gibt es auch zahlreiche Bilder zu sehen – den Einstieg macht etwa ein Bild einer RARITÄTENKAMMER AUS DEM 17. JAHRHUNDERT, zum Abschluss gibt es ein Portrait einer unbekannten Dame von LUCAS CRANACH.

Dazwischen sind in kleineren Vitrinen Münzsammlungen, kleine Becher und Skulpturen, alte Brettspiele, Quallen aus Glas oder eine Violine mit Schachbrettmuster im Holz. Eine Zusammenfassung darüber ist eher schwierig, so vielfältig sind die Ausstellungsstücke. Das führt aber zu mehr Interesse und Engagement beim Publikum, Besucher_innen beugen sich vor, setzen sich teilweise mit dem Booklet auf den Boden vor kleinen Vitrinen und sehen alles genau an.

EINE FRAGE DER WAHRNEHMUNG
Apropos: Die Frage, ob die Ausstellung mit oder ohne Booklet durchgeschaut werden soll, muss auch jeder selbst entscheiden. Einerseits ist es spannend, die Eindrücke einfach aufzusaugen und alles anzusehen. Wer einmal wissen möchte, was eine Skulptur beispielsweise genau darstellt oder welches Material genutzt wurde, kann nicht mehr damit aufhören. Die Anleitung dazu, was ausgestellt ist, steuert dann auch die Wahrnehmung der Ausstellung und jedes Stück muss erst mal gefunden werden, bevor es wirklich begutachtet wird. Die Frage, wie man durchgeht, muss aber ohnehin jeder selbst beantworten. Auszahlen tut es sich aber auf jeden Fall.

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Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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