BILDENDE KÜNSTE

Feministische Kunst in der Akademie

Moderne Kunst ist wichtig und benötigt mehr Aufmerksamkeit. Denn nur, wenn die Kunst agil und kritisch bleibt, können wir als Gesellschaft die Freiheit des Ausdrucks erhalten. Eines der wichtigen Themen in den vergangenen Jahren war und ist Feminismus. Weil wir beispielsweise durch #metoo neu überdenken, welche Freiheiten wir uns hinausnehmen dürfen und können und wo wir besser lernen müssen, Männer in die Schranken zu weisen und uns nichts gefallen zu lassen.

Feminismus ist aber nicht nur ein persönlicher, politischer Akt, sondern beschäftigt sich häufig auch mit der Sichtbarkeit von Frauen. Nicht Frauen selbst, sondern besonders die (unbezahlte) künstlerische Arbeit werden jetzt im xE, dem Ausstellungsraum der Akademie der bildenden Künste, sichtbar und mit der Ausstellung  DUNKLE ENERGIE. FEMINISTISCH ORGANISIEREN, KOLLEKTIV ARBEITEN in den Vordergrund gebracht.

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Zugegeben: egal was man von Feminismus hält, der künstlerische Aspekt ist wichtiger. Die gemeinsame Organisation steht im Zentrum und wird auch berücksichtigt. Genauer gesagt also so etwas wie die Womens Art Library oder auch das feministische Fundbüro, auch die eigene Funktionsweise der Ausstellung wird mit einem großen Diagramm aufgeschlüsselt. Wiederum muss angemerkt werden, dass dort sehr viele Namen und Verbindungen draufstehen, wer Künstlerinnen nicht kennt, ist wohl entschuldigt.

Einzelbeispiele

Dennoch lernt man dadurch einige Projekte und Organisationen kennen und auch die Motivationen und Gedanken der beteiligten Künstlerinnen. So hat beispielsweise FELICITY ALLEN bei der WOMENS ART LIBRARY (früher WASL) mitgemacht und Teile dieser Historie für The Disoeuvre verarbeitet. Ein Bild, drei getrennte Textteile und schon gibt es Einblicke in die Geschichte. Leitfaden ist der WASL-Table, ein blauer (Küchen?)-Tisch, der auf jedem Foto zu sehen ist. Zugehörig sind zwei, drei beschreibende Sätze, ein Gedanke und ein reflektierender Ansatz. Insgesamt bildet sich so ein Einblick in Allens Schaffen, aber auch stark auf die gemeinsame Arbeit und die Entwicklung der WAL. Auf die feministische Organisation also.

Nachdem Organisationsformen in Ausstellungsstücken eher schwierig zu erkennen sind, sind die Zusatztexte und Erzählungen wichtig. Beispielsweise erzählt  EGO AHAIWE SOWINSKI zu Diashows, welche Rolle Hautfarbe in der Entstehung von Kunst hat. Weniger zeitaufwändig ist die Sammlung feministischer Plakate Empowered Print Works, dafür gibt sie einen Eindruck in die Geschichte weiblicher Selbstermächtigung. Auch interessant ist Les résolutions von ANNE-MARIE PROULX. Sie schafft mit einzelnen Aussagen auf schwarzen Tafeln einen Einblick in die gesellschaftspolitische Situation und die Lage der Frauen. 

So wichtig es inhaltlich ist, Gleichberechtigung mehr in den Fokus zu stellen und unbezahlte Arbeit zu würdigen, so schwierig kann die Interpretation aber sein. Im Rahmen der Ausstellung gibt es beispielsweise ein Regal, in dem feministische Literatur gesammelt wird. Dabei handelt es sich um die Library of requests, die seit drei Jahren regelmäßig für Ausstellungen neu von den beteiligten KünstlerInnen befüllt wird. Andererseits ist Interpretation meist genau die Herausforderung an moderner Kunst. Zur Sicherheit sollte man also ein bisschen mehr Zeit bringen und sich auch gerne genauer mit den einzelnen Ausstellungsstücken auseinandersetzen. Andernfalls könnte der Besuch schwierig werden.

Dunkle Energie. Feministisch organisieren, kollektiv arbeiten ist bis 25. Mai im xE-Ausstellungsraum der Akademie der bildenden Künste Wien zu sehen.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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