BILDENDE KÜNSTE

Die künstlerische Seite des Simon Wiesenthal

Das Jüdische Museum zeigt wiederentdeckte Zeichnungen des Architekten Simon Wiesenthal. Er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg und seiner Zeit in Konzentrationslagern als Nazi-Aufspürer bekannt, doch auch seine künstlerische Seite wird jetzt wieder gewürdigt.

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Simon Wiesenthal

Je nachdem, wie aufmerksam man im Geschichtsunterricht war, ist Simon Wiesenthal vielleicht jemand, den man kennt. Immerhin hat er Jahrzehnte damit verbracht, Geheimdiensten bei der Suche nach nationalsozialistischen Verbrechern zu helfen. Das war zu einem großen Teil eben davon geprägt, Rache und Wiedergutmachung zu suchen. Immerhin musste er selbst Jahre in Konzentrationslagern überstehen und überlebte den Aufenthalt in Mauthausen nur knapp. Das verdankte er Edmund Staniszewski, einem politischen Häftling. Der versorgte ihn im Sanitätslager gegen Ende des Krieges mit Suppe und zum Dank erhielt er von Wiesenthal Zeugnisse für dessen künstlerischen Ausdruck. Und genau die sind jetzt Kern der Ausstellung CAFÉ AS. DAS ÜBERLEBEN DES SIMON WIESENTHAL zu sehen.

Das Café As

Wie so viele war Wiesenthal vor dem Krieg eine andere Person, jemand mit einem Beruf und einem Leben. Wiesenthal war eigentlich Architekt, hatte sich zwischendurch allerdings auch als Karikaturist verdingt und unter sowjetischer Herrschaft in der Ukraine als Ingenieur gearbeitet. Die Mischung aus technischem und künstlerischem Hintergrund war dann auch entscheidend für Wiesenthals Art der Wiedergutmachung für Edmund Staniszewski. Denn dieser wünschte sich immer nur ein Kaffeehaus in seiner früheren Heimat Posen und Wiesenthal zeichnete ihm dieses. Nicht nur in Mauthausen, sondern einige Entwürfe wurden erst später angefertigt.

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Eben diese Zeichnungen für das Café wurden nach einiger Zeit wieder entdeckt und werden nun im Jüdischen Museum Wien gezeigt. Wer jetzt denkt, dass Innenarchitektur eine eher langweilige Version von Kunst ist, ist aber ein bisschen kurzsichtig. Die Ausstellung ist zwar klein und nur ein zusätzlicher Raum im Museum, doch die Zeichnungen geben viel Einblick. Einerseits in die Fähigkeiten von Menschen, sich im Angesicht des Grauens in geistige Räume zu flüchten, und andererseits über die Aussagekraft, die eine Zeichnung eines Raumes über den Zeitgeist haben kann.

Zeitgeist, Nostalgie und Hoffnung

Das so entworfene Café As ist deshalb nicht nur Beweis und Zeuge für Wiesenthals Überleben, wie der Ausstellungstitel suggeriert. Stattdessen ist das Café in den Zeichnungen für Mitte der 40er-Jahre eine Zuckerguß-rosafarbene 50er-Jahre-Fantasie und voller Lebensfreude und Hoffnung. Einerseits, die Lokalentwürfe selbst: angepasst auf diverse Bedingungen des Gebäudes, mit Billiard- und Rauchsalons, eigenen Schachräume und eine eigene Milchbar.

Die Zeichnungen und die Ausstellung sind von lebensbejahender Detailverliebtheit geprägt, mit exzessiven Tortenkonstruktionen, Logos und Kellnerkostümen, die eine Mischung aus Nostalgie an die Monarchie und Wes Anderson Film erinnern. Trotz der Hintergrundgeschichte ergibt sich so eigentlich eine kleine Sammlung an sehr lebensfrohen und schönen Bildern, die eben aufgrund der Hintergrundgeschichte aber auch mit historischen Informationen unterfüttert ist. Sozusagen für Zwischendurch zur Aufheiterung mit Gedenken.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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