BILDENDE KÜNSTE

Takeover im Wien Musem

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In der Großstadt sind Graffitis oftmals ein Parameter, wie die Stadt denn so "drauf" ist. Mehr oder weniger Gesellschaftskritik? Groß oder klein? Wie weit geht man ins "Künstlerische"? Dies und noch viel mehr gewährt Einblick in die jeweilige Szene. Solch einen Einblick gibt es jetzt noch im Sommer im Wien Museum beim Karlsplatz.

Denn bevor das Museum renoviert wird, ist es einmal noch richtig aufgemacht worden und das Gebäude selbst damit zur Leinwand. Genauer heißt das, dass sich im Erdgeschoss offene Kunst befindet, diverse Street-Artists (unter anderem von der  SECRET SOCIETY OF SUPER VILLAIN ARTISTS) haben große Teile der Ausstellungsräume umgearbeitet. Wer will, kann sich auch selbst noch zwischenzeitlich auf den Wänden verewigen. Die Ausstellungsräume im ersten Stock sind dagegen kuratiert, die Bilder decken jeweils die ganze Wand ab und sind teilweise lieber mit etwas Abstand zu betrachten. Aus der Nähe sieht man nämlich tolle Details, das Gesamtbild ergibt sich aber doch eher mit etwas Abstand. Wie das bei Graffitis eben so ist.

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Street Art und keine Street Art

Wobei die Ausstellung auch zeigt, inwiefern die Änderung der Begrifflichkeiten nur eine Änderung der Kunst wiederspiegelt. Denn diese Bilder haben definitiv viel mehr Kunst inne, als frühere Graffitis, deshalb auch der Fokus auf "Street Art". Einige der Motive sind bereits existierende Bilder, die im Museum genau so oder in abgewandelter Form noch einmal gesprayt wurden. Das heißt aber natürlich nicht, dass man sie unbedingt schon kennt und andererseits trägt die Aufmachung ja doch einiges dazu bei. Die großen Räume und die Beleuchtung geben ja doch einen anderen Rahmen als eine Hauswand, auf der ein Motiv sich in das Straßenbild und die Umgebung einfügt und gleichzeitig heraussticht. Im Museum gibt es schließlich kein richtiges Drumherum – abseits der anderen Bilder natürlich. Spannend an der Ausstellung ist, wie sehr alle Bilder ineinander übergehen und alle Wände voller Farbe sind, ohne überladen zu sein.

Sozialkritik und Selbstironie

Zum Auflockern gibt es zwischendurch dann kleine Fotogalerien, etwa zu den 78ERN, also nicht mehr Street Art, sondern verlassene Orte. Ebenso mitbedacht: Die Sozialkritik, und so findet sich auch vom  KOLLEKTIV KIMÄRE einiges zum Tabu der Vulva.

Ähnliche Kritik findet sich auch im Erdgeschoss, dort ist beispielsweise eine Wand gänzlich voll mit Kommentaren gegen Frauen nach sexuellen Übergriffen, die Schuldzuweisungen an Opfern werden dabei anschaulich kritisiert. Andere KünstlerInnen sehen das Ganze selbstironischer und so kann man auch einen aufgesprayten Rahmen finden, mit dem schönen Spruch "Here some nice political Street Art, something like Banksy." Auch ein guter Weg, die Fantasie des Publikums anzuregen. Grundsätzlich ist dieser aber eben keine Grenzen gesetzt. Wer trotzdem Inspiration sucht, bevor er selbst die Flächen in Angriff nimmt, kann aber auch einfach zu einem der Workshops gehen.

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Beteiligt euch!

Denn das ist das andere Besondere an dem Takeover: Das Museum ist offen und es gibt für jede/n was zu tun. Einerseits geht das im Skatepark, der im Erdgeschoss eingerichtet wurde und so auch dieser Subkultur einen weiteren Raum gibt, andererseits gibt es einige VERANSTALTUNGEN und Workshops, die einen direkteren Weg der Kunstvermittlung gehen. So gesehen ist TAKEOVER. STREET ART & SKATEBOARDING nicht nur eine Ausstellung, bei der der Kunstbegriff überdacht wird. Und das funktioniert, wie an der Stimmung und am Publikum zu merken ist: auch ältere BesucherInnen bleiben beim Skatepark stehen, um die Bilder anzusehen, hören sich die Musik an und sehen sich an, was die jungen Leute auf "ihren Brettern da so treiben". Und wer sich selbst auch noch einbringen will, der kann sein eigenes Takeover machen und mitmachen: Denn die Playlist ist offen, als Grundregel bleibt also nur mehr der Konsens unter den Anwesenden. Und der ist mit Kommunikation in so einem Setting immer zu erreichen.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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