FILM

Deadpool: Obszönes Spaßfeuerwerk

deadpool cNicht vielen ist bewusst, dass nicht alle Filmrechte für Marvel Charaktere in der Hand von Marvel Comics sind, zum Beispiel die „X-Men“, „Spiderman“ (neuerdings sind die Filmrechte an diesem Charakter allerdings wieder an Marvel zurückgegangen, die Folgen davon werden dieses Jahr in „Captain America: Civil War“ zu sehen sein) und die „Fantastic Four“ gehören filmrechtlich dem Filmstudio Fox und sind deshalb nicht Teil des „Marvel Cinematic Universe“, das Marvel durch Tie-ins von Filmen, Serien und Teamups seit Jahren aufbaut. Fox hat übrigens auch ein Patent auf das Wort „Mutant“ im Zusammenhang mit Marvel Charakteren, eine Erklärung, warum im zweiten „Avengers“ Film, „Age of Ultron“, Charakter als „Talente“ bezeichnet werden.

Der Charakter „Deadpool“ gehört als Mutant somit der Filmfirma Fox, und ist somit Teil einer eher problematischen Konstellation, da aus dem Hause Fox mit den Franchises in letzter Zeit nur bescheidene Erfolge zu verbuchen waren. Besonders horrend war Deadpools Auftritt in „Wolverine Origins“, der nicht nur überhaupt nicht der Vorlage entsprach, sondern auch bei Nicht-Kennern auf wenig Beifall stieß. „Deadpool“ greift diese Fehltritte auf humorvolle Art auf. Dieser Film ist erfrischend anders. Brutal, komisch, eindeutig nicht jugendfrei und sehr selbstbewusst im Umgang mit den Medien macht der Hauptdarsteller Ryan Reynolds eine ähnlich gute Figur im Verkörpern seines Charakter wie sein Schauspielkollege Robert Doney Jr. als Tony Stark a.k.a. „Iron Man“. Aber das soll nur zur Kontextualisierung dienen, der Inhalt des Films selbst soll hier auch nicht zu kurz kommen.

Der Söldner und Ex-Special Forces Soldat Wade Wilson (Ryan Reynolds) nimmt nach einer Krebsdiagnose an einem geheimen Forschungsprogramm der Regierung teil, das Menschen in Mutanten verwandeln soll. Durch die hervorgerufene Mutation verspricht er sich eine Heilung seiner Krankheit. Natürlich geht alles schief, denn es handelt sich nicht um eine von der Regierung geführte Operation, sondern um illegale Experimente, die lebende Marionetten für die meistbietenden Warlords der Welt erschaffen sollen. Nach einer Explosion im Labor zum Sterben zurückgelassen und bis zur Unkenntlichkeit entstellt, beschließt Wade, Rache an seinen Peinigern zu nehmen. Und er hat auch gute Chancen auf diese, denn er ist durch die Mutation, die den Heilprozess seines Körpers rapide beschleunigte, so gut wie unsterblich geworden. Durch diesen Heilfaktor werden Verletzungen wie Knochenbrüche und Schusswunden, die für Normalsterbliche ernsthafte Folgen haben würden, für den schon vor seiner Verwandlung nicht auf den Mund gefallenen Antihelden zu Lappalie und sorgen für Gags, die direkt an jene Gewaltorgien der „Looney Toons“ oder „Tom und Jerry“ erinnern, wenn auch deutlich blutiger.

Die Story an sich ist zwar vorhersehbar, die Witze jedoch überraschend, die berühmte „4th wall“, die Zuschauer und betrachtetes Medium trennen sollte, wird so oft durchbrochen, dass sie wohl eher als „4th construction site“ bezeichnet werden sollte. Die Grenze des guten Geschmacks wird ständig spielerisch übertreten, Beleidigungen und Geschimpfe werden ebenso obszön wie abwechslungsreich, fast schon künstlerisch, zelebriert und man möchte rufen: “Mehr davon!“, denn diese neue mutige Richtungl die hier eingeschlagen wird, macht einfach Spaß, wenn der Film auch kein Oscar-Material ist – aber das muss er auch nicht sein. Es bleibt zu hoffen, dass diese Linie von Fox weiter verfolgt wird.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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