FILM

Thank you for bombing

bombingThank you for Bombing beginnt wie eine Dokumentation. Der Film ist zwar keine, doch er erzeugt beim Zuseher das selbe Gefühl von Nähe zum Geschehen wie eine Dokumentation. Auf eine schockierende Weise.

Kriegsjournalismus ist kein einfacher Beruf, das ist schon Journalismus selbst oft nicht. Thank you for Bombing konzentriert sich auf drei Journalisten, die aus Kabul berichten - beziehungsweise berichten sollen. Erwin Steinhauer, Manon Kahle und Raphael von Bargen spielen Reporter, die an ihre Grenzen gehen. Allerdings nicht im üblichen Sinn. Keiner wirft sich in Kugelhagel, keiner erzählt von traumatisierten Soldaten. Dafür werden Aspekte erwähnt, die sonst nicht vorkommen. Der Druck der Veröffentlichung, von Quoten und alten Stories verfolgt zu werden und sich selbst weit über die Grenze der eigenen Moral zu stoßen.

Zur Darstellung vieler dieser Punkte ist die Serie Newsroom ein großartiges Beispiel, die Regisseurin Barbara Eder geht in Thank you for Bombing aber noch einen Schritt weiter. In drei Kapiteln wird durch jeweils eine Hauptrolle erzählt, wie Krieg nach angeblichem Frieden zurückschlägt und warum Frieden für einzelne Menschen schlecht sein kann.

Erwin Steinhauer hat als ORF-Journalist den Auftrag, nach Kabul zu fahren, seine Geschichte endet aber eigentlich noch am Wiener Flughafen. Natürlich schafft er es - mit unerwarteten Konsequenzen - zum Ende des Films doch nach Kabul. Die Leistung seiner Rolle steckt aber in der Mimik, mit der er eine 20 Jahre alte Geschichte komplett in die Gegenwart bringt und dabei seine eigenen Gespenster loswird. Allerdings muss er für die erreichte innere Ruhe aus journalistischer Sicht einen hohen Preis zahlen. Und auch bei diesem Punkt schafft er es, nicht nur die Geschichte zu erzählen, sondern ein Gefühl zu erzeugen.

Gefühle erzeugen auch die Geschichten in Kabul. Manon Kahle geht als amerikanische Fernsehjournalistin dabei nicht nur über die ihr möglichen Grenzen innerhalb der Redaktion hinaus, sondern auch weit über ihre eigenen. Ohne zu spoilern: Zwei versteckt gehaltene Soldaten, die in Afghanistan Korane verbrannt haben sollen, sind wahrscheinlich nicht die beste Gesellschaft. Sich dabei dann persönlich für die Story aufs Spiel zu setzen ist genauso nicht unbedingt die beste Idee. Aber zu ihrer Verteidigung: Sie macht einen Job, in dem sie über Grenzen gehen muss und jeder muss seine eigenen festsetzen. Und sie erreicht dabei, was sie will.

Schlussendlich gibt es auch noch immer (ja, hier ist es dann doch sehr nah am Klischee) den Journalisten, der sich beim Job ruiniert und sein persönliches Glück aufs Spiel setzt. Willkommen in Akt drei, es geht um Raphael von Bargen als Cal. Der Mensch, der sich nicht im geringsten darum kümmert, welche Konsequenzen sein Handeln hat und damit durch kommt. Abgesehen von den seltenen Momenten, in denen doch plötzlich Auswirkungen auf die eigene Psyche auftauchen. Auch bei seiner Rolle hat Eder Überraschungen eingebaut, spannend haben vor allem die Dreharbeiten geklungen, bei denen Black Hawks der benachbarten Army Base aufgetaucht sind.

Eder hat mit Thank you for Bombing eine Geschichte geschrieben und gedreht, die Nähe erzeugt, die den Zuseher nicht nur in die Situation mitnimmt, sondern auch in die Rollen. So gesehen ist es nicht sonderlich verwunderlich, dass der Film beim Zürcher Filmfestival mit dem Goldenen Auge ausgezeichnet wurde.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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