FILM

Kommunismus, Chaos & die unsterblichen Lichter Hollywoods

ceasarHollywood 1951, das Showgeschäft boomt, die Leute sind gierig nach Unterhaltung und die Traumfabrik liefert einen Kassenschlager nach dem anderen. Doch das alles läuft nicht so reibungslos ab, wie es vor den Kulissen scheint, denn ohne Eddie Mannix (Josh Brolin) würde das ganze Werk innerhalb kürzester Zeit in einem Desaster zum Stillstand kommen. Stars sind abgängig, brechen Verträge und Ehen, sind ledig schwanger – und das sind nur die Probleme eines einzigen Tages! Ein Glück, dass Mannix alles scheinbar spielend im Griff hat, wenig scheint ihn aus der Fassung zu bringen, er ist komplett in seinem Element.

Bis der Star der gigantischen Produktion "Hail Caesar!“, Baird Whitlock (George Clooney), nicht nur vom Set verschwindet, sondern auch noch ein Schreiben von Entführern auftaucht, welche hunderttausend Dollar vom Studio fordern. Diese entpuppen sich nicht nur als frustrierte Drehbuchautoren, sondern obendrein noch als Kommunisten. Schließlich versuchen sie Whitlock auf ihre Seite zu ziehen und für die Sache des „little man“ zu begeistern.

Die Coen Brüder liefern einen Film ab, der wahrlich nur von ihnen sein kann. Denn ähnlich wie bei „The Big Lebowski“ geht es in „Hail Caesar!“ nicht im eigentlichen Sinne um die gezeigte Handlung selbst, sondern um ihre Symbolkraft. Der Film zeigt eigentlich nur Abschnitte aus verschiedensten Geschichten – und nicht bei allen handelt es sich dabei um deren Anfang. Es werden auch Mittelteile und Enden zusammengefügt, in schrillen und manchmal chaotischen Erzählungen, wie sie sonst eigentlich nur das Leben schreibt. Es ist spannend zu beobachten, wie die verschiedenen Ebenen des Films miteinander verwoben werden. Die Ästhetik der Filme der Fünfzigerjahre wird auf einer Handlungsebene verhandelt, die Filme und das Filmschaffen dieser Zeit im Film artgerecht präsentiert. Das Konzept, einen Film über das Drehen von Filmen zu machen, ist hierbei an sich nicht neu. Aber selten wurden die verschiedenen Handlungenebenen so geschickt, so gekonnt, miteinander verwoben. Ständig muss man sich erinnern, dass man gerade einen Film im Film sieht, also eine Subhandlung welche selbst in der Welt des Films Fiktion ist.

Die Krise der Drehbuchautoren Hollywoods wird zu einer kommunistischen Verschwörung inszeniert. Die beginnende Ära McCarthy, diese Hexenjagd der fünfziger Jahre, in der Kommunisten (auch) in der Unterhaltungsbranche ausfindig gemacht werden sollten, wird ebenfalls thematisiert. Wobei zu unterstreichen ist, dass Kommunismus nicht allzu ernst dargestellt wird, aber auch nicht wie in Christopher Nolans „The Dark Knight“ komplett als Mittel zum Zweck für machthungrige Scharlatane inszeniert wird. In diesem Falle sind es tollpatschige Idealisten, die fragwürdige Mittel einsetzen, um ihre Ziele zu erreichen. Doch der "Konterpart" des Kapitalismus ist ebenfalls nicht souverän, die kommunistische Rhetorik wird Menschen „aus dem Leib geohrfeigt“, eine stichhaltige Argumentation gegen die Kritikpunkte am System wird allerdings nicht ausgeführt.

Eine tolle Unterhaltung mit sehr lustigen Momenten: die Komik der grotesken Überzeichnung wird hier zelebriert. Die Cast ist komplett mit großartigen Schauspielern besetzt, die den „Inception“-artigen Charakter des Film, in dem Schauspieler Schauspieler spielen, wirklich toll umsetzen. Ein wertvoller Film mit starker Massage, der gleichzeitig unterhält.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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