FILM

The Witch – Erbschuld der Frau

witch01Eine Familie wird aus einer Siedlung verbannt, was im 17. Jahrhundert im wilden New England Nordamerikas fast einem Todesurteil gleich kommt. Dar Vater der streng religiösen Siedlerfamile weigerte sich dem Willen der Kirche des Commonwealth zu beugen und setzt für seine Auslegung des Glaubens alles aufs Spiel. Als die Familie schließlich ein Stück Land findet, dort sesshaft wird und sich eine Art Leben aufzubauen versucht, nimmt das Grauen seinen Lauf, als das jüngste der fünft Kinder spurlos verschwindet. Ein Wolf wird dafür verantwortlich gemacht, die Wahrheit ist aber weitaus schlimmer und droht die Familie auseinanderzureißen. Mit einem Mal ist jeder verdächtig, jeder könnte eine Hexe sein.  

Die Geschichte in The Witch erzählt, wie der Glaube der Familie eher Zwietracht sät, als dass er Einigkeit spendet. Auch die Misogynie der Kirche wird hier dargestellt, da die älteste Tochter als erstes der Hexerei bezichtigt wird und es dazu nicht mehr bedarf als der Anschuldigungen zweier kleiner Kinder. Noch dazu wird das alte Vorurteil thematisiert, dass weibliche Sexualität von Frauen ausgenutzt wird um Männer zu kontrollieren – oder im abergläubischen Sinn, zu verhexen – welches zurückgeht auf die Erzählung von Adams Verführung zur Sünde durch Eva. Eine Geschichte, die Jahrhunderte dazu verwendet wurde um Frauen die Schuld an von Männern begangenen Verbrechen sexueller Natur zuzuschreiben. Die einsame Hexe gegen die männlich dominierte Familie.

In der heutigen Zeit, in der Geschwindigkeit alles ist und jeder in dauerndem Taumel der Geschwindigkeit gefangen zu sein scheint, ist Langsamkeit eine Sünde geworden. Bereits nach zwanzig Minuten wird beim Betrachten des Films klar, dass er dieser modernen Sünde schuldig ist. Doch gerade hier finden sich seine großen Stärken: Langsame Bilder, die den Dunklen Wald, das spartanisch eingerichtete Haus und seine Bewohner zeigen schaffen eine unvergleichliche Atmosphäre der Düsternis, der Kargheit und Hoffnungslosigkeit. Es gibt Dinge, für die sollte man sich Zeit lassen und dieser Film ist eins davon.

Der Film kommt leicht ohne große Schauspieler aus, die Darsteller sind allesamt sehr überzeugend, inklusive einem authentisch wirkendem Englisch des 17. Jahrhunderts. Spezialeffekte oder CGI (Computer Generated Imagery) werden ebenfalls nur sehr spärlich verwendet, was den Film von vielen anderen Horrorfilme abhebt.

Interessant ist auch der Umstand, das der Film vom Satanic Temple unterstützt wird, einer nicht-theistischen Organisation die sich unter anderem für die Selbstbestimmung der Frau stark macht.

"The Witch" ist eine groteske und obskure Erfahrung, die aber gleichzeitig fasziniert und in Erinnerung bleibt. Die Bilder haben einen rituellen Charakter, der einen wahrlich gefangen nimmt.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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