FILM

The Holy Mountain

Holy MountainGeboren als Sohn jüdischer ukrainischer Einwanderer in Chile wuchs  Alejandro Jodorowsky in einem Mosaik der Kulturen auf, das sich auf seine Filmkunst, aber auch sein Schaffen allgemein auswirken sollte. Auch als Comictexter, Theaterregisseur, Schriftsteller, Dichter, Musiker und Mystiker ist Jodorowsky tätig, wobei seine fünf Kinder in diesen Sparten teilweise in seine Fußstapfen treten. Bei "The Holy Mountain" ist Jodorowski nicht nur als Regisseur tätig, sondern auch in einer der Hauptrollen höchstselbst zu sehen.

Der Film beginnt so bizarr und befremdlich wie er sich auch fortsetzt, mit einem Ritual, das auf den ersten Blick satanisch wirkt, aber bei längerer Betrachtung mehr und mehr von dieser Ikonografie abweicht und einen unvergleichlichen Eindruck des Okkulten hinterlässt. Anschließend wird das Leben eines Diebes in einer nicht näher genannten südamerikanischen Stadt gezeigt, wie er sich bei Tourismusattraktionen etwas dazu verdient. Die Menge grölt und staunt, als die Eroberung Lateinamerikas durch die Spanier durch Eidechsen und Kröten blutigst inszeniert wird. Ein Tourist fotografiert begeistert, als seine Frau auf offener Straße mit einem Soldaten Geschlechtsverkehr hat, eine krassere Kritik am Tourismus kann man sich kaum vorstellen. Eine Gruppen von Straßenverkäufern, welche Kruzifixe vertreiben, erkennen in dem Dieb schließlich eine perfekte Vorlage für ihre lebensgroßen Pappmaché Jesusstatuen, weshalb sie seinen Körper, nachdem sie ihn betäubt haben, als Form verwenden um besagte Abbildungen herzustellen.

Nach dieser bizarren Episode trifft der Dieb schließlich auf einen weisen Mystiker, der die einflussreichsten Menschen der Welt zum Titel gebenden "heiligen Berg" führen will, um mit ihnen Unsterblichkeit zu erlangen. Doch die Reise ist nicht nur eine Reise im Raum, sondern auch eine spirituelle, sie beginnt damit, dass jeder all sein Geld verbrennt und anschließend eine Wachsfigur von sich selbst. Die Reichen lachen, als der Dieb nur einen einzigen Geldschein opfern kann. Die Reise selbst soll alle Beteiligten an ihre psychischen und körperlichen Grenzen bringen, denn viele Ablenkungen und Fallen lauern auf dem Weg zum heiligen Berg.

Der Film balanciert andauernd zwischen Faszination und Schockmomenten, Verehrung und Blasphemie, Mystik und Realität, bis die Grenzen schließlich verwischen. Wird hier doch das "Lamm Gottes" gehäutet und gekreuzigt von Prozessionen durch die Straßen getragen. Die Prostituierte Maria folgt dem Jesus Double/Dieb als Neo-Magdalena. Jodorowsky veranschaulicht den Ausverkauf der Mystik in der westlichen Gesellschaft. Mit "The Holy Mountain" und auch "El Topo" (von dem die nächste Review handeln wid) erlangte er damit Legendenstatus in der Hippie-Gesellschaft der 1970er Jahre. Surrealismus in Reinkultur, manifestiert in unmöglichen Räumen und einer unglaublichen Erzählung.

 

 

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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