FILM

Hochmut und sein Fall

reddeathAn einem strahlendem Sommertag fällt es fast schwer über einen solch düsteren und makaberen Film zu schrieben. Aber gerade diese Diskrepanz zwischen dem Inhalt des Artikels und der Umstände unter denen er zu Stande kommt, kann für dessen entstehen sehr wertvoll sein. Denn wann sehen die Schatten denn dunkler aus, als wenn man gerade vorher erst in Licht schaute?

„Die Maske des roten Todes" („The Mask of the Red Death") aus dem Jahre 1964 wurde im deutschsprachigen Raum 1971 auch unter dem reißerischen Alternativtitel „Satanas – Das Schloss der blutigen Bestie" veröffentlicht. Interessanterweise gab es in Österreich einen weiteren Titel, „Die Maske des Hexenjägers", unter dem der Film beworben wurde. Es würde sich also fast auszahlen, allein einen Artikel über die unzähligen Titel, die dieser Film in verschiedenen Ländern trug, zu verfassen, doch das wäre ein gänzlich andere Geschichte.

Die Handlung des Films ist an die gleichnamige Geschichte Edgar Allen Poes angelehnt und zeichnet ein düsteres Bild Italiens zu Zeiten des Mittelalters. Somit reiht sich der Film in eine Erfolgsserie qualitativ hochwertiger Gruselfilme ein, die durch das berühmte Triumvirat, Vincent Price als Darsteller, Roger Corman als Regisseur und Poe als Stifter der Buchvorlage, geprägt wurden.

Vincent Price versetzt als Fürst Prospero seine Untertanen in Angst und Schrecken, und obwohl er im Angesicht des „Roten Todes" eher das geringere Übel für die Bewohner des kleinen Dorfes ist, sind seine Machenschaften doch direkter spürbar. Er entführt die schöne junge Francesca (Jans Asher) sowie ihren Vater Ludovico (Nigel Green) und ihren Geliebten Gino (David Weston) um sich an ihrer Korrumpierung zu belustigen. Im Schloss angekommen eröffnet Prospero Francesca, dass Gott tot sei und er dem wahren „Architekten des Kosmos" diene. Auf die Frage hin, wer denn der wahre Herr der Schöpfung laut Prospero sein soll, antwortete er kurz und bündig mit „Satan". Zu selben Zeit versammelt Prospero eine Vielzahl von Adeligen in seinem Schloss um ihnen Schutz vor dem „roten Tod" zu gewähren, wobei dies nur zum Schein der Grund dieses Festes ist. Denn in Wahrheit tut Prospero nie etwas für andere, sein letztendliches Ziel ist immer die Zerstörung von Hoffnung und das Säen von Verzweiflung und Missgunst unter den Menschen, zu Ehren seines Meisters. Doch ob ihn dieser wirklich vor dem „roten Tod" schützen wird, bleibt abzuwarten.

Der Film lebt nicht nur von der tollen Kostümierung, sondern auch von den eingängigen Monologen und dem einzigartigen Setting, das das Filmset vermittelt. Die Räume im Schloss Prosperos, von denen einer komplett in Gelb, einer in Violett, einer in Weiß und einer in Schwarz gehalten sind, geben dem ganzen einen gewissen surrealen Touch, der die Szenen der satanischen Rituale, welche in besagten Räumen stattfinden, gut komplementieren. Zu groß wäre sonst die Gefahr, dass sich dies im Kitsch verlaufen würde.

„Die Maske des roten Todes" ist wahrlich ein überraschender Film mit vielen Subplots und komplexen Gratwanderungen zwischen Gut und Böse. Seine Helden sind deshalb Helden mit Anführungszeichen, einzig Fürst Prospero ist eindeutig als sadistischer Antagonist erkennbar.

 

 

Wien. Mehr Kultur.
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