FILM

Die Blair Witch-Filme & das Found Footage-Phänomen

blairwitchIch bin ein großer Fan der Veranstaltung "Kino wie noch nie", die jedes Jahr in Wien vom Filmarchiv Austria im schönen Augarten veranstaltet wird. Jedes Jahr werden verschiedenste Filme gezeigt, von Klassikern bis Geheimtipps ist für Fans jedes Genres etwas dabei. Letztes Jahr konnte ich mich so darüber freuen, eine analoge Vorstellung auf physischem Zelluloid des Films "Night of the living dead" von George A. Romero zu sehen, dieses Jahr wurde ich von einer Vorstellung eines Films begeistert, ohne dessen einzigartiges Konzept das Genre der modernen "Found Footage"-Filme womöglich nie entstanden wäre oder zumindest gänzlich anders aussehen würde. Die Rede ist selbstverständlich von "The Blair Witch Project".

Doch nicht die Tatsache, dass die Aufmachung des Films ihn als verwackelte Amateurfilmproduktion erscheinen lies, hob ihn hervor (der erste Film der zum "Found Footage"-Genre gerechnet wird ist der berüchtigte Kannibalen-Film "Nackt und Zerfleischt" oder auch "Cannibal Holocaust" in der englischen Originalfassung, von Ruggero Deadato aus dem Jahre 1980) sondern, dass dem Publikum in einer einzigartigen Werbekampagne suggeriert wurde, dass das gezeigte Filmmaterial echte Ereignisse dokumentiert, die sich 1996, also drei Jahre vor dem Filmstart, in einem Realen Wald in den U.S.A. zugetragen haben sollen. Also nicht nur im Film selbst wurde durch das obligatorische "basierend auf einer wahren Begebenheit" die Echtheit der Aufnahmen suggeriert, sondern vor allem in den U.S-Medien wurden Interviews mit dem vermeintlich zuständigem Sheriff gezeigt, Suchtrupps beim Abgrasen des Waldes aufgenommen und Bilder der "gesuchten" Filmstudenten aus dem Film im Fernsehen übertragen.

Eine Werbekampagne die für folgende Filme mit ähnlichem Stil richtungsweisend sein sollte. Filme wie "Cloverfield" bauten einen großen Hype bereits vor dem Filmstart auf, in dem sie geschickt eine Welt inszenierten, sodass der Kinobesucher sich umso mehr in den Film hineinversetzen konnte.

Zum Zeitpunkt als ich also den ersten Teil der "Blair Witch"-Reihe gesehen hatte, war für mich noch überhaupt nicht klar, das ich den neuesten Teil der Serie in meinen Artikeln behandeln werde, aber im nach hinein gesehen zeichnete es sich eigentlich ab.

"Blair Witch 3" ist kein Remake wie es lange angenommen wurde, sondern eine Fortsetzung, in der der Bruder der angeblich 1994 verschwundenen Filmstudentin Heather Donahue (übrigens der Echtname der Schauspielerin) versucht, seine Schwester nach 20 Jahren wiederzufinden, nachdem er sie auf neuerlich gefundenem Filmmaterial aus derselben Gegend, in der seine Schwester verschwunden ist, zu erkennen meint.

Der Film an sich ist eine wirklich gelungene Fortsetzung, im Gegenteil zum zweiten Film baut er unvergleichliche Spannung und Unbehagen auf. Denn auch bei einem Budget, dass das des ersten Teils um ein weites übersteigt, wurde hier kein Effektfeuerwerk abgeliefert, bei dem perfekt ausgeleuchtete, animierte Monster über die Leinwand jagen. Gerade im Nicht-Gezeigten, aber dafür um so mehr Gehörten, hat der Film seine wahren starken Momente und ohne spoilern zu wollen: Die Bilder die man in den "Horror-Momenten" sieht, sind zwar in relativ guter HD Qualität, da die Technik der Protagonisten der Technik von 2014 entsprechen sehen wir nicht nur verwackelte Kameraaufnahmen sonder auch eine Videodrohne und Einstellungen aus der Ego-Perspektive mit auf dem Kopf angebrachten Kameras à la "Go-Pro", aber trotzdem verwackelt genug, um nicht alles auszumachen und so läuft der Film im Kopf weiter und das wahre Grauen wird aus der eigenen Phantasie geboren.

Ich kann den Film nur empfehlen und werde ihn mir auch zu regulären Spielzeiten mindestens ein zweites Mal ansehen.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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