FILM

Alpencowboys im Zwielicht

finsteres tal01Schon allein die Eröffnungsszene ist bildgewaltig: Endlose Berge, Schnee und ein einsamer Reiter mit zweit Pferden. Langsam geht es für ihn voran, Shot für Shot die Berge hinauf und immer kritisch beäugt von den Anwohnern. Das Fremde hier nicht willkommen sind ist klar, allein die physische Distanz zwischen dem einsamen Reiter und den anderen spricht Bände. Als er schließlich am Hauptplatz des kleinen Dorfes voller windschiefer Holzhütten ankommt, werden durch Kameraeinstellungen, die von oben herab die Menge der Leute und den Reiter in einiger Distanz zueinander zeigen, endgültig die Antipathien der Einwohner verdeutlicht. Kamerafahrten, die den Zuseher zwischen Kisten und Fässern auf den Veranden der Häuser hervorlugen lassen verstärken diesen Eindruck noch. Ein "Wir" gegen "Ihn", Bekanntes gegen Fremdes.

"Was willst du hier?" wird schlussendlich direkt an den Fremden gerichtet, voller Hohn, als würde man "Ich habe mich verlaufen und wollte eigentlich woanders hin" als einzige Antwort gelten lassen. Der Tonfall lässt schließen, dass es sich um eine Person mit Macht handelt, es ist Hans Brenner (Tobias Moretti), einer der Söhne des alles beherrschenden Brenner Bauers (Hans Michael Rehberg). Doch der Fremde, Greider (Sam Riley), hat sich nicht verlaufen, er ist genau dort, wo er hinwollte. Er sagt, er wolle Fotografien anfertigen, um die Kultur der Bergleute zu dokumentieren und zu bewahren, doch alsbald die Söhne des Brenner Bauern, einer nach dem Anderen, unter mysteriösen Umständen ums Leben kommen, scheint klar zu sein, dass Greider nicht nur Fotos schießt.

Die Jungschauspielerin Paula Beer, zum damaligen Zeitpunkt 19 Jahre alt, leistet in dem Drama um Unterdrückung, Befreiung und dem Heim- und Unheimlichen im Fremden, wirklich gute Arbeit, vor allem der Akzent wirkt größtenteils überzeugend. Ein Wiedersehen mit Gerhard Liebman (Kennen wir aus "Blutgletscher") ist auch eine nette Sache. Doch vor allem glänzt Tobias Moretti in der Rolle des sadistischen Tyrannen, mit Arroganz und Impertinenz macht seinen Bösewicht-Vorgängern in der Geschichte des Wild-West-Films alle Ehre. Doch auch Erwin Steinhauer und Hans Michael Rehberg, Veteranen der deutschsprachigen Schauspielkunst, liefern einfach tolle Darstellungen ab.

Doch bei weitem nicht nur ein in die Apen versetzter Western, nein, denn obwohl eindeutige Genreeinflüsse zu erkennen sind, ist es doch auch eindeutig ein österreichischer Film, der niemals aufgesetzt oder fehl am Platz wirkt. Nicht nur auf Grund der Requisiten, sondern auf Grund der Sprache, Gesten, Dynamiken und der fantastisch eingesetzten Musik, ist "Das Finstere Tal" ein Unikat und sollte, trotz der doch schweren Kost, die er mitunter darstellt, generell von keinem Filmfan ausgelassen werden.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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