FILM

Das Leben hinter der Oper

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"Secondo Me" klingt nach hinter die Fassade sehen und eine zweite Persönlichkeit vorstellen. Tatsächlich heißt es übersetzt aber "meiner Meinung nach". Pavel Cuzuioc zeigt in dem Film trotzdem nicht nur Meinungen, sondern vor allem die Lebensrealitäten seiner Protagonisten. Aufhänger sind drei Garderobenmitarbeiter in altehrwürdigen Opernhäusern. Wien, Mailand, Odessa. Was prunkvoll klingt, hat aber nichts mit der Fassade zu tun. Cuzuioc schafft eine Dokumentation, die vielseitige und detaillierte Portraits zeigt.

Laut Pressemitteilung ist genau das das Ziel. Der Titel ist dennoch ein wenig verwirrend. Schließlich werden einem die drei Garderobenmitarbeiter in dem Film näher gebracht, vorgestellt und es entsteht Sympathie. Für alle drei Persönlichkeiten, ihre Eigenheiten und ihre Lebensgeschichten.

In der Wiener Staatsoper arbeitet Ronald Zwanziger. Er ist 72, arbeitet nicht nur in der Oper an der Garderobe, sondern auch in der Bibliothek der Universität Wien. Allerdings nicht aus Geldzwang. Zwanzisecondome02ger wirkt in dem Film so offen und freundlich, dass man ihm abnimmt, die Jobs nur aus Freude am Kontakt zu Menschen zu machen. Cuzuioc portraitiert ihn als freundlichen, älteren Herren, der die Kl
einigkeiten am Leben genießt und zufällig auch in der Oper arbeitet. Dass die Oper, der gemeinsame Aufhänger ist, geht ziemlich rasch verloren. Zwanziger ist ja nicht der einzige Protagonist der Dokumentation.

In Odessa dreht sich alles um Nadezha Sohatskaya, den Auszug ihres Enkelsohns und wie Nadezha damit umgeht. An der Mailänder Scala wiederum spielt Flavio Fornasa die Hauptrolle. Wobei auch bei ihm geht es nicht um eine Rolle in der Oper. Dort plaudert er während der Vorstellung gerade einmal mit Kollegen. Selber vorgestellt wird Flavio nämlich eher als Vater, als Lehrer seiner Kinder, indem er bei einer Demonstration seine Meinung zu Faschissecondome03mus kundgibt und im Alltag.

Doch in der Oper selbst rücken die drei Protagnisten in den Hintergrund. Sie werden Teil eines restriktierten Bereichs. Leben hinter den Garderobeschaltern in einer Stille. Auch dabei kommen Eigenheiten heraus. In persönlichen Gesprächen, in der Art zu warten oder beim Sprachen lernen. Aber auch das ist ein unerwarteter Aspekt in der Welt der Opernhäuser. Dennoch ist es nicht die Welt, die man dank des Titels erwartet. In der Dokumentation geht es nicht um die zwei Leben, die Operngarderobiere führen. Auch nicht unbedingt um ihre Meinung. Vielmehr geht es darum, diese drei Personen, die zufälligerweise denselben Beruf ausüben, vorzustellen und dem Zuseher vertraut zu machen.

Inhaltlich ist der Film damit gut. Die Personen werden tiefgründig vorgestellt, ihre Meinungen werden vom Film eingefangen. "Secondo Me" ist auch optisch gut ausbalanciert. Die ruhigen Gänge der Opernhäuser gleichen sich mit den lebendigen Szenen außerhalb aus. Cuzuioc balanciert optisch und akustisch. Auch Stille und Inhalte wechseln sich ab. Cuzuioc schafft damit eine Gratwanderung, allerdings nicht immer auf der inhaltlichen Ebene. Der Film ist insgesamt gut, bildet lebendige Personen und ihre Geschichten ab. Aber ein vertiefender roter Faden wäre wahrscheinlich auch gut gewesen. Soweit es um klassische Dokumentationen geht, hat er Cuzuioc sein Ziel aber erreicht und einen soliden Beitrag geliefert.

"Secondo Me" ist ab 21. April im Kino zu sehen!

 

 

 

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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