FILM

Exploitation Made in Austria

Lange bevor wir mit "In Drei Tagen Bist Du Tot" einen gewagteren Suspense-Thriller à la "Scream" oder "I Know What You Did Last Summer" präsentiert bekommen hatten, wurde es bereits 1966 einem scheinbaren Alpenschönling zu wenig, immer nur der Schmalspur-Romeo der Berge zu sein. Die italienisch-deutsche Produktion "Der Mörder Mit Dem Seidenschal" aus der Feder des österreichischen Schauspielers Adrian Hoven ("Faustrecht Der Freiheit", "Mädchenjahre einer Königin“, "Die Drei Von Der Tankstelle") schockierte das nichtsahnende Publikum und sollte für den Regiedebütanten nur der Auftakt für eine ganze Reihe merkwürdiger Filme sein.

Die wilden Siebziger waren (nicht nur) filmisch eine seltsame Zeit, die Leute gierten nach expliziteren und "realistischeren" Gewaltdarstellungen in Filmen und aus diesem Voyeurismus des Physischen entstand eine neue Welle der Exploitationfilme, die vor allem das Thema der Hexenverfolgung aufgriffen. Wobei man auch feststellen könnte, dass das Thema mal mehr und mal weniger als Ausrede für die Verwendung ausgedehnter Folterszenen in besagten Filmen diente.

Der wohl berühmteste dieser Filme war "Witchfinder General" (Michael Reeves, 1968) mit dem grandiosen Vincent Price (eine kleine Retrospektive hier, hier und hier) in der Hauptrolle als furchteinflößender, sadistischer Inquisitor hatte dabei sogar ein ganz ansehnliches Budget und blieb nicht nur ein Phänomen im Untergrund.

austriaploitationDoch auch in unseren Gefilden ging dieser Trend nicht spurlos vorüber und so machte sich Adrian Hoven (zunächst nicht als Regisseur erwähnt) ans Werk die Leute abermals mit einem Film aus den Alpen in Angst und Schrecken zu versetzen, sodass die Zensur des Films in Deutschland bis heute durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien aufrechterhalten wird. Die Rede ist natürlich von "Hexen bis auf Blut gequält" (1970). Dessen englischer Titel ist mit "Mark of the Devil" übrigens um einiges weniger explizit, auch ein kleines Kuriosum.

Doch was hat der Film noch zu bieten außer Detailaufnahmen der peinlichen Befragung von vermeintlichen Hexen? Ein denkbar einfacher Plot:  die Kirche bezichtigt nicht wahllos Leute Hexen zu sein, sondern hat es häufig auf deren Besitz abgesehen, den diese der Kirche überschreiben sollen, um von der "Sünde der Habgier und des Geldes" geläutert zu werden. Ein junger Inquisitor beginnt an der Reinheit der Ideale seines Mentors zu zweifeln, als er diesen dabei beobachtet, als er eine als Hexe bezichtigte Frau vergewaltigt. Die Kritik an der Kirchenpolitik ist unübersehbar und wahrscheinlich eher der ausschlaggebende Grund für die Indizierung des Films gewesen, als seine expliziten Gewaltszenen. Von der Besetzung her kennen wir vor allem einen sehr jungen Udo Kier ("Blade", "Iron Sky" uvm.) und einen souveränen Herbert Lom ("Spartacus", "Dead Zone", "The Pink Panther Strikes Again").

Auch der zweite Teil, der im englischen schlicht "Mark Of The Devil 2" getauft wurde, hat es in sich. Der im Deutschen als "Hexen geschändet und zu Tode gequält" bekannte Streifen, ist alleine schon vom Namen her sicherlich kein Film, den man Sonntagnachmittags auf ORF 2 sehen wird. Diesmal ist Adrian Hoven auch offiziell der Regisseur als des Films genannt.

Nichts für empfindsame Gemüter, dennoch oder vielleicht gerade deshalb Klassiker des Genres und wichtige Filme der sonst eher zahmen, österreichischen Filmgeschichte.

 

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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