FILM

Berlin bei Tod und Nacht

rammbock01Bevor Marvin Kren 2013 mit "Blutgletscher" Mutanten in die Alpen los ließ, verwüstete er 2010 in "Rammbock" mit einer Horde Untoter die schöne Bundeshauptstadt Deutschlands. Mitten drin, ein tollpatschig-phlegmatischer Österreicher, der seine Freundin zurückerobern will. Die Story kommt bekannt vor? Der Film "Shaun Of The Dead" mit Nick Frost und Simon Pegg kommt einem wohl in den Kopf, welcher eindeutig in vielen Dingen als Vorlage für "Rammbock" gedient hat. Aber auch der spanische Ausnahme-Horrorfilm "Rec" inspirierte einige Szenen und vor allem die beklemmende Atmosphäre des "Zombies-im-Wohnblock" -Szenarios. Österreichisch-deutsche Produktion mit österreichisch-deutschem Plot, ahoi!

Michael (Michael Fuith) ist verzweifelt. Seine Freundin Gabi (Anka Graczykhat) hat nach siebenjähriger Beziehung nicht nur mit im Schluss gemacht, sondern ist auch noch hunderte Kilometer weit weg nach Berlin gezogen. Doch er hat einen Plan: Unter dem Vorwand, dass er ihre Schlüssel bringen möchte, die sie bei ihm vergessen hat, reist er nach Berlin um sie zurückzugewinnen. Doch bald nach seiner Ankunft dort ist es auch schon vorbei mit den rom-com Trott, denn die Stadt wird von einer Zombieplage heimgesucht und der Wohnblock von Gabi ist da keine Ausnahme. Michaels einziges Glück besteht darin, in dem Installateurslehrling Harper (Theo Trebs) einen gescheiten Verbündeten gegen die Horde der Hirnfresser gefunden zu haben.

Wieder mit von der Partie ist Marvin Krens Mutter als Zombie-Nachbarin, Brigitte Kren, die wir bereits als Ministerin Bodicek in "Blutgletscher" gefeiert haben. Ist diesmal in einer kleineren Rolle zu sehen, die aber dennoch Eindruck hinterlässt.

Es stimmt zwar, dass der Charakter des deprimierten und deprimierenden Österreichers ein wenig Klischee-beladen ist, aber in diesem Szenario kann selbst ein etwas angestaubter Archetyp in neuem Glanz erstrahlen. Herrlich die Szene, in der er sich in typisch österreichischer Manier bei der bereits zombiefizierten Nachbarin für die durchbrochene Wand entschuldigen will: "Es tut ma leid wegen da Wand, ober sie wissen ja eh, wie des jetzt is'".

Besonders das Spiel zwischen dem verloren wirkenden Österreicher in der großen deutschen Stadt ist wirklich gut inszeniert. Denn es geht zwar um ein spekulatives Szenario, aber die Charaktere sind dafür umso realer. Michael regt sich über kaputte Gabeln auf und als Harper ihn fragt, ob er ernsthaft glaubt, dass das jetzt noch wichtig sei, erwidert er: "Natürlich, wenn ich das nämlich nicht glauben würde, könnte ich mich gleich aufhängen gehen!"- eine Aussage, die sich als prophetisch herausstellen wird.

Unüberbrückbare Distanz zwischen Nachbarn, die nur von einer einzigen dünnen Mauer getrennt leben und Nähe zwischen völlig Fremden, die hunderte Kilometer trennen, werden hier sichtbar. Wer von wo herkommt, wird schließlich egal, denn es geht ums gemeinsame Überleben. Ein Gedanke, der gleichzeitig gerade in heutigen Zeiten aktueller denn je ist und leider aber auch der, an den man die Menschen meistens wieder erinnern muss.

 

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

Back to Top