FILM

Die Migrantigen – Grantln mit Herz

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"Die Migrantigen". Heiße Themen mit Komödien aufzugreifen, ja das hat oft etwas Verlockendes. Wenn auch häufig der zugrundeliegende Umstand, leider eher als Mittel zum Zweck verwendet wird, um Witze zu machen. Für seichte "Comedy". Hier ist das nicht passiert, denn die lustigsten Passagen im Film sind häufig die, die brutal ehrlich sind, in ihrer Darstellung von Vorurteilen und minutiös geplanter Situationskomik.

Mit Arman T. Riahi auf dem Regiestuhl kann man sich hier auf einiges gefasst machen, denn der Film nimmt eindeutig kein Blättchen vor den Mund. Erfrischend bei all den österreichischen Produktionen, bei denen die Darsteller nicht nur dazu gezwungen werden ständig gekünsteltes Hochdeutsch von sich zu geben, sondern sich auch noch selbst in den widrigsten Umständen unnatürlich gewählt ausdrücken müssen. Ein herzhaftes "Scheiße" ist da schon ein großer Durchbruch. Auch wichtig zu erwähnen ist, dass die beiden Hauptdarsteller Faris Rahoma und Aleksandar Petrovic auch als Autoren am Film beteiligt waren.

Die Handlung von "Die Migrantigen" setzt an, als die beiden Freunde Benny (Faris Rahoma) und Marco (Aleksandar Petrovic) so ziemlich am Tiefpunkt angekommen sind. Der eine ist erfolgloser Schauspieler, der noch bei seiner Mutter wohnt (diese wird fantastisch von Margarete Tiesel verkörpert, wir kennen sie aus "Paradies: Liebe" und "Angriff der Lederhosenzombies") und der andere als Vorzeigehipster mit eigener, erfolgloser Werbeagentur. Doch dann werden die Beiden von einer Fernsehproduzentin angesprochen. Sie sollen das alltägliche Leben von Menschen mit Migrationshintergrund zeigen. Für das Fernsehen sind sie "echte Ausländer" mit lustigen Akzenten, falsch verwendeten Redensarten und fragwürdigen Moralvorstellungen und "Gschichtl'n" über jeden Bewohner des Grätzls. Unter diesen Umständen dauert es natürlich nicht lange, bis die diffamierten Bewohner des Viertels sauer werden, wer kann es ihnen auch verdenken. "Juwel" (Mehmet Ali Salman), der Marco und Benny gezeigt hat, wie es ist ein "echter Ausländer" zu sein, stellt ihnen schließlich ein Ultimatum. Wenn sie nicht die Wahrheit ans Licht bringen, wird er es tun.

Der Film versteht es fantastisch mit Vorteilen umzugehen, aber nicht nur mit jenen gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund sondern ebenso mit Vorurteilen gegenüber Menschen aus den Grätzln, vermeintlich rassistische "Österreicher" (was auch immer dieser "Österreicher" ist). Am Ende verwischt die Grenze zwischen beiden und man sieht, das es sich übergreifend schlichtweg um Menschen handelt, die in Wahrheit im selben Boot sitzen.

Eine wirklich gute Komödie mit Herz und wichtiger Message. Ich habe während der Vorstellung mehrmals laut lachen müssen und kann den Film nur wärmstens weiterempfehlen.

 

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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