FILM

Archiv der Schaulust - Beschleunigung des Blicks

schaulust012016 war das Sterbejahr des Kaisers Franz Joseph I. und im Zuge dessen wurde auch das Jagdschloss Niederweiden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Doch was hat das mit dem frühen Kino zu tun? Nun, im Zuge der Ausstellung zum Todestag des Kaisers wurde auch einen kurzer Film Clip im Schloss gezeigt, der diesen bei einem Jagdausflug abgelichtet hat. Als ich den kurzen Film zum ersten Mal sah, dachte ich mir noch nichts dabei, aber als ich dem Kurzfilm in der Ausstellung "Archiv der Schaulust" des Filmarchiv Austrias erneute begegnete, wurde mir erst seine Wichtigkeit bewusst. Es ist eine der wenigen Zeugnisse des Menschen Franz Joseph. Selbstverständlich auch inszeniert, aber dennoch zeigt man den Kaiser hier nahbarer, menschlicher und fragiler, wie eben ein älterer Mensch ist.

Doch nicht nur Majestäten sind hierbei in der Ausstellung vertreten, auch ganz normale Bürger und ihr Alltag wurden oft und gerne aufgenommen. Nicht, wie man jetzt glauben könnte zu dokumentarischen Zwecken, sondern auf Grund der reinen Faszination an der neuen Technik, die vielen noch magisch erschien, wurden diese Aufnahmen oft schlichtweg um ihrer selbst Willen angefertigt.

Doch neben diesen wichtigen Bilddokumenten sind auch ganz andere Schmuckstücke aus der Frühen Zeit des K.u.K-Kinos zu sehen und auch Geschichten rund um die ersten Filmfirmen, ihre Konkurrenz zu einander und letztendlich die Sieger und Verlierer des Spiels um Angebot und Nachfrage des österreichischen und auch internationalen Filmgeschäfts.

Neben einer ökonomiegeschichtlichen oder lokalen historischen Facette, sollte auch die faszinierende Dokumentation der Technikgeschichte des Films nicht zu kurz kommen. Von der Laterna Magica und Camera Obscura, die als technische Wunderwerke lange Zeit fixe Teile von Wanderzirkussen waren, bis schließlich die Bilder selber wandern und schließlich auch laufen lernten, gab und gibt es eine rasante Entwicklung der verwendeten Bildträger-Medien und auch der Projektionstechniken.

schaulust02Alles in Allem eine kleine, aber gelungene Ausstellung zur Frühzeit des Films, die zwar keine gigantische Ausmaße hat, aber aufgrund geschickter Ausnutzung des vorhandenen Raums von ihren Qualitäten zu überzeugen weiß. Von Majestäten bis Trafikanten und sozialen Diskrepanzen während des Ersten Weltkriegs und danach, sind alle Volksgruppen, ihre Beziehungen zueinander und auch Probleme im frühen Film zu bestaunen und es dürften einem auch so manches Wiener Platzl aus den gezeigten Filmen ein wenig bekannt vorkommen. Als Ausstellungsort eignet sich wohl keine Location mehr als das Metro Kinokulturhaus, welches Parallel zur Ausstellung auch eine begleitende Filmschau in Form monatlicher Schwerpunktprogramme zeigt.

Die Ausstellung läuft nur noch bis 31. Juli, also nichts wie auf in die Johannagasse 4, täglich von 15- 21.00 Uhr, wer sich einen Film ansieht, bekommt die Eintrittskarte zur Ausstellung in einem Bundle zudem noch verbilligt!

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

Back to Top