FILM

Dos and Don'ts als Komparse

komparseNeben der Filmanalyse und dem Schreiben von Kritiken habe ich im Laufe der Jahre auch etwas Erfahrung als Komparse beim Film gemacht. Nichts worauf man jetzt groß stolz sein muss, aber dennoch eine tolle Erfahrung, welche gerade für Filmbegeisterte völlig neue Perspektiven mit sich bringt. Leider haben viele Menschen allerdings völlig falsche Ansichten, was das Komparsen-Dasein ausmacht und gehen mit komplett verkehrten Erwartungen zu ihrem ersten Dreh. Ein paar dieser möchte ich nun in ein paar Punkten aufklären, damit diese Erfahrung auch anderen genauso Spaß macht, wie mir.

1. Man sollte nicht in die Kamera schauen.
Ich weiß, dass sich das recht logisch anhört, aber manchmal ist es einfach schwer und man muss sich sehr zusammenreißen. Vor allem wenn man glaubt, nicht im Bild zu sein. Und glaubt mir, ihr seid im Bild. Immer.

2. Drehen ist anstrengend.
Gerade bei großen Drehs und ambitionierten Regisseuren sind viele Einstellungen ein ganz schön gefinkeltes Unterfangen, bei welchem viel schiefgehen kann, also muss man einen Haufen Geduld mitbringen. Auch wenn Regieanweisungen unlogisch klingen, sollte man nicht diskutieren. Es wird dadurch alles nur schlimmer, glaubt mir. Auch bei der zehnten Wiederholung gilt es, Ruhe zu bewahren und sein Bestes zu geben.

3. Geduld mit der Crew.
Oft bekommt man von verschiedenen Leuten verschiedene Anweisungen (siehe letzten Punkt), was ganz schön frustrierend sein kann. Man muss hierbei bedenken, dass sie in den meisten Fällen auch nur Anweisungen weitergeben und selber keine Entscheidungsgewalt besitzen. Und selbst wenn der Regisseur selber mal danebenhaut: Produktionsleitungen sind auch nur Menschen.

4. Stille am Set.
Es ist wirklich unglaublich wichtig, auf Befehl zuverlässig still zu sein, gerade bei den Tonaufnahmen, bei welchen man wortwörtlich eine fallen gelassene Stecknadel hören kann. Die Mikrophone sind unglaublich sensibel und es handelt sich hierbei nicht um eine Schikane aus Lust und Laune heraus.

5. Komparserie ist kein Job, es ist Liebhaberei.
Gerade in Österreich ist "Man spricht nicht über Geld" ein universell verstandener Grundsatz, in diesem Falle ist er störend und führt oft Konflikte und Missverständnisse herbei. Komparserie ist hierbei ähnlich mit dem Musikgeschäft zu vergleichen, eine Band ist ebenfalls eher ein teures Hobby als ein Nebenerwerb. Umso mehr gilt es mit Leidenschaft fürs Filmemachen dabei zu sein. So abgedroschen es sich auch anhört, wenn man aufmerksam ist, kann man wirklich wertvolle Dinge übers Filmemachen als Komparse lernen. Umgekehrt kann ich auch nur jedem/jeder angehenden/m SchauspielerIn und RegisseurInn empfehlen, einmal als "Nobody" am Set zu sein. Um auch einmal zu erfahren, wie es Komparsen im Chaos des - mal mehr, mal weniger - kreativen Prozesses eines Filmdrehs ergeht.

Wenn ihr diese Punkte beachtet, werdet ihr euch zumindest nicht gänzlich verloren vorkommen. Eine gewisse Prise Spontanität ist jedoch immer vonnöten. Hiermit ist mein Start in den Artikelherbst geglückt und ich hoffe, ich kann euch auch in der diesjährigen kälter werdenden Jahreszeit ein wenig Freude durch meine Berichte bereiten.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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