FILM

Leon Askin (1907 – 2005): Charakterdarsteller

askin01Wer öfters im Türkenschanzpark verweilt, der hat sicherlich die zahlreichen Büsten und Statuen von Dichtern und Literaten und sonstigen wichtigen Persönlichkeiten bemerkt, die kaum jemandem noch vorgestellt werden müssen. Doch eine dieser Büsten, sie ist entlang des Parkweges zu finden der parallel zur Hasenauerstraße verläuft und auch Arthur Schnitzler beheimatet, zeigt einen leicht grantig dreinschauenden Herrn, etwas beleibt ist er auch. Irgendwie ein typischer Wiener, doch am Leben von Leon Askin (geb. Aschkenasy) war de facto wenig typisch.

Von Wien nach Düsseldorf, von dort nach Paris, nach der Vertreibung durch die Nazis 1933, schließlich wieder zurück nach Wien, von wo er ein weiteres Mal von den Nazis vertrieben wurde. Diesmal nicht nur physisch sondern auch psychisch seiner Heimat für immer beraubt, sah er sich fortan immer als Vertriebener, jedoch nie als Opfer, obwohl er seine eigenen Eltern durch die Shoah verlor.

Als Theaterschauspieler hatte er es selbstredend in Amerika nie leicht, in einer Fremdsprache zu spielen. Ständig bekam er Rollen angeboten bei denen er seltsame Akzente vorspielen musste und Charaktere, die augenscheinlich eher einen moralisch fragwürdigen Eindruck machten. Doch jetzt fragt man sich: kann man einem vertriebenen Juden zumuten, einen Wehrmachtsgeneral zu spielen? Die Antwort Hollywoods und der Schauspieler war klar. Man kann!

Und hierbei ist Askin bei weitem nicht der einzige. Vor allem die Serie "Hogan's Heroes", oder wie sie bei uns bekannt wurde als "Ein Käfig voller Helden", hatte gleich vier Rollen von Wehrmachtsnagehörigen mit Schauspielern jüdischer Herkunft besetzt, unter ihnen der brillante Werner Klemperer als Oberst Klink, John Banner als Feldwebel Schulz und Howard Cain als Gestapo Major Hochstetter. Unter den Mitarbeitern dieser Cast war besonders Klemperer ein lebenslanger Freund Askins.

Doch auch hier hatte Leon Askin, der ewige Nebendarsteller, leider keine Hauptrolle. Zu selten und gleichzeitig zu gut ist hier seine Performance zu sehen. Sein Lebenswerk (allein auf imdb hat er über 130 credits als Schauspieler) wirklich erfassen kann nur, wer sich unzählige Filme ansieht und so langsam bemerkt, wie kleine Details in Filmen große Unterschiede machen können. Gerade Darsteller in Nebenrollen können einen Film lebendiger, vielseitiger und dreidimensionaler erscheinen lassen, wenn sie gut gespielt sind. Sie vermitteln, dass die Hautakteure nicht in einem Vakuum handeln.

Doch selbst wenn man alle Filme mit ihm gesehen haben sollte, so hat man immer noch nur einen kleinen Ausschnitt aus Askins künstlerischen Schaffens mitbekommen, da Askin auch auf und hinter der Bühne als Regisseur und Dramaturg tätig war.

Wenn ich eine Empfehlung abgeben sollte, welche filmischen Arbeiten von Askin man sich unbedingt ansehen muss, dann, und es dürfte bereits durchgeklungen sein wie sehr ich die Serie schätze, muss ich die "Hogan's Heroes" nennen. Wer mit dem bingewatching fertig ist, der sollte sich Billy Wilders "One, two, three" ansehen, selten war ein russischer Handelsabgesandter so bedrohlich und komisch zugleich.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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