FILM

Are you down with the Clown?

Es ist circa genau ein Jahr her, dass ich meinen Artikel über die Clown-Sichtungen, die sicherlich in irgendeiner Form mit den ersten Presseinformationen zur Neuverfilmung von Stephen Kings "IT" zu tun hatten, verfasst habe. Es war beunruhigend, wie ein Phänomen die Bevölkerung in Unruhe versetzen und gleichzeitig eine der besten Werbekampagnen für einen Horrorfilm sein konnte, die sich ein Produzent nur wünschen kann. Soweit ich nach einem Screening des Films behaupten kann, hätte der dies allerding keineswegs nötig gehabt.

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Sigmund Freud schrieb in seinem Text über "Das Unheimliche", dass die Furcht vor dem gänzlich Unbekannten und Unzuordenbaren weitaus geringer ist, als die Furcht vor dem scheinbar Bekanntem, dem eigentlich Familiären, das sich auf dem zweiten Blick als fremd und beängstigend herausstellt. Deshalb erschreckt uns die Leblosigkeit lebendig wirkender Puppen, oder die scheinbare Beseeltheit unbelebter Dinge, wie Spielzeug, Gemälden oder den Toten. Doch nicht immer liegt der Schrecken dort, wo wir ihn erwartet haben. Humorvolle Szenen am scheinbar falschen Stellen haben ebenfalls einen starken Effekt des Befremdlichen und machen den Film sogar zu einem gewissen Teil unberechenbar.

Diese Überlegung haben sich die Filmemacher von "IT" wohl nicht nur zu Herzen genommen, sondern sie regelrecht zelebriert, als sie die Schockmomente im Film nicht nur als kurze "Jumpscares", sondern als andauerndes Grauen planten. Grotesken aus unseren Träumen werden zur Wirklichkeit, unser Unterbewusstsein bekommt gleichzeitig neue Nahrung und wird auf die Leinwand projiziert. Der Film zeigt in manchen Szenen grausame Details, fast als Antithese für Alfred Hitchocks Stil des ungesehenen Grauens und schafft es doch auch, mit subtilen Anspielungen, Gestik und Mimik der Schauspieler das Unaussprechliche anzudeuten, kein langer Dialog ist hier vonnöten.

Was die Performance von Bill Skarsgard als "IT" angeht, so bin ich sehr zufrieden mit seiner Aneignung der Rolle. Ganz ähnlich wie bei zwei Darstellungen eines gänzlich anderen Clowns, des "Jokers" aus den "Batman"-Filmen, ist hier auch eine tolle Neuinterpretation gelungen, die dem Original meiner Meinung nach in nichts nachsteht und interessante neue Aspekte der Figur hervorhebt. Tim Curry wird dabei, ganz genau wie Jack Nicolson als "Joker", als "Pennywise the Clown" auf seine ganz eigene Art unerreicht bleiben.

Nicht nur gute Spezialeffekte, sondern eine brillante Kameratechnik lassen auch auf technischer Seite nur wenig zu wünschen übrig. Die brutale Genauigkeit des Zooms der Kamera und "Dutch Angle"-Shots mit gekippter Kamera, lassen einen tief in die Abgründe der Angst blicken.

Ich kann allen Horror-Enthusiasten nur raten, den Film in 2D zu sehen, was weitaus weniger anstrengend für die Augen ist und mir persönlich einfach sympathischer ist als ein überbordendes Gimmick, wie der derzeitige 3D-Trend auf mich wirkt.

Also nicht von den pittoresken Pierrots, den schillernden Schelmen und den juchzenden Jecken einschüchtern lassen und ab ins Kino!

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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