FILM

Ein Film über unerfüllte Erwartungen

goldenexits01Der Regisseur Alex Ross Perry zeigt in seinem Film "Golden Exits" unter anderem die Arthouse-Ikone schlechthin, Chloë Sevigny als Alyssa, und Nick, dargestellt von Adam Horowitz, als Ehepaar in Brooklyn. Ihre Schwester repräsentiert die emanzipierte Frau, die keinen Mann mehr braucht und alleine durch ihr großes New Yorker Haus streift. Ihre Assistentin ist ihr auf merkwürdig intime Art verbunden, die wiederum ihrer Schwester bei den Eheproblemen mit ihrem Ehemann Buddy hilft.

Das verbindende Glied aller ist sie – Naomi, Australierin und bezaubernd. Sie erinnert an das Kindchenschema mit ihren vollen rosigen Wangen, ihren dicken Lippen und ihrer Unbeholfenheit in der fremden Großstadt, wo sie ein Praktikum bei Nick macht. Buddys und Naomis Mutter kennen sich von der Uni und haben ein Treffen arrangiert. Sie weckt den Beschützerinstinkt bei den Männern (Nick zahlt ihr die Hälfte der Monatsmiete und das tägliche Mittagessen, Buddy fühlt sich verantwortlich für das Mädchen) und Eifersucht bei den Frauen. Naomi stellt die Charaktere alleine durch ihre Anwesenheit vor neue und alte Herausforderungen und bringt Unruhe in das fast bornierte Leben.

Der Film ist ruhig und langsam. Wenn Musik im Hintergrund läuft, dann sehr melodische Klänge. New York wirkt beunruhigend leise, wie eine kleine Vorstadt. Keine Staus, keine wilden Partynächte, keine weinenden Kinder, nahezu keine Menschen, auch bei längeren Sequenzen, die die Stadt zeigen, keine Hektik, eindeutig keine Eile etwas voranzutreiben. Die meisten Szenen beinhalten nur zwei DarstellerInnen. Mehr dürfen meistens nicht darin untergebracht sein. Es geht um die Dialoge, um das was absichtlich gesagt wird, um das was unabsichtlich zum Ausdruck gebracht wird. Sie treiben die Handlung voran. Subtile Details bringen ebenso die Hintergedanken zum Ausdruck: In ihrem Praktikum macht sich Naomi nicht einmal die Mühe ihre Haare zu kämmen, für ihre Treffen mit Buddy putzt sie sich heraus.

goldenexits02Die Aufnahmen sind klar und still. Teilweise sieht man detaillierte Großaufnahmen der SchauspielerInnen, die sich auf die Augen konzentrieren und auf den nachdenkenden Blick. Viele Szenen werden nicht gezeigt, sondern sollen vom Zuseher/der Zuseherin zu Ende gedacht werden, wie das Abendessen zwischen Nick, Naomi, Alyssa und ihrer Schwester. Jedoch bleibt die Kamera in äußerst unangenehmen, peinlichen Situationen so lange drauf auf dem Geschehen bis man selbst wegsehen muss, um vor Fremdscham nicht im Boden zu versinken. So wie als Naomi einen fremden Mann mit offenen Augen küsst und Buddy dabei tief in die Seele blickt.

 

Alles, was man erwartet, passiert nicht, absichtlich, wie der Regisseur im Gespräch nach der Vorführung im Rahmen der Viennale mehrmals betont hat. Das habe man schon x-mal auf der Leinwand gesehen. Besonders die Voraussage von Eskalationen wird nicht erfüllt, obwohl die Charaktere sichtlich innerlich brodeln. "Golden Exits" hat den Charakter eines Kammerstücks. Wenige Personen, wenige Ortswechsel und das Aufdecken gesellschaftlicher Strukturen. Alte Strukturen aufzubrechen und etwas anders anzugehen kommt ihnen schlussendlich dann doch nicht in den Sinn. Nach zehn Wochen ist der Spuk vorbei und alle können mehr oder weniger wieder in ihren Alltag zurückkehren. Das war das Ziel.

 

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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