FILM

Houston, wir sind ein Problem...

Welch Gefechte bis zum Tod (im metaphorischen Sinne versteht sich) habe ich nicht schon in meiner Sturheit im Namen und für die Originalversionen von Filmen geführt. Was jedem Filmfanatiker zwar immer schon oder zumindest längst bewusst war, will ich hier dennoch noch einmal ganz ausdrücklich zementieren. Schaut Filme, die ihr wirklich verstehen wollt, in der Originalsprache! Alle anderen Versionen können nur zweitklassig sein.

OVartikel01

Doch hier muss man weitergehen, als nur zu sagen "Sprache ist Sprache und Hauptsache, die Information wird weitergegeben", denn nicht nur das WAS, sondern vor allem das WIE unterscheidet großartige Filme von der Masse. Akzente und Sprachen haben nicht zufällig zu den Filmen gefunden und werden gerade von Regisseuren wie zum Beispiel Quentin Tarantino meisterhaft eingesetzt, um spezielle Charaktere, Dynamiken zwischen diesen sowie Humor zu erzeugen. Die Originalsprache, in der eine Sequenz gedreht wurde, bestimmt auch, wie diese funktioniert. Auditives Timing gepaart mit visuellen Eindrücken ist immerhin das A und O einer guten Szene.

Ein anderes Problem von Synchronfassungen sind die Mundbewegungen. Wo hier Sprachen der selben Sprachfamilien noch zumindest so hinzubiegen sind, dass es wenigstens einigermaßen so aussieht, als ob Michael Cane auf einmal ostdeutsche Rhetorik von sich gibt, so ist es bei asiatischen oder afrikanischen Produktionen schon ein ganz anderes Bild. Hier sind vor allem die alten Eastern, die man anno dazumal sonntags auf Kabel1 vorgesetzt bekam, berüchtigt. Die gestelzte Sprechweise, die einmal in verschiedenste deutsche Dialekte verfiel und an anderen Stellen einfach allgemein bizarre Formulierungen enthielt, ist für viele heute ein Markenzeichen geworden, wobei man manche der Filmtitel aus Anstand und moderner Selbstreflexion heute nicht mehr laut aussprechen würde (die Krone des Rassismus ist wohl der Titel "Die Schlitzaugen mit dem Superschlag" aus dem Jahr 1979).

An dieser Stelle fällt mir immer eine bizarre Erklärung der Mängel von Synchronfassungen ein, den Alf Ator, Mastermind hinter der Eigentlich-schon-mehr-Spaß-Metal-Band "Knorkator", in seinem skurrilen Geschichtenbuch "Am Anfang war das Am" erklärte. Er beschriebt hierbei, dass in deutschen Synchronfassungen eigentlich englischsprachiger Filme immer versucht wird, das Dramatische "NOOOOO" möglichst so zu übersetzen, dass eben die Lippenbewegungen zum Gehörten passen, weshalb in der deutschen Synchro daraus dann ein "NOOOOOOIIIIIIN" wird. Hier, sagt er, kann es aber passieren, dass ein ungewünschte Effekt auftritt, wenn man sich eine Szene vorstellt, in der eine Frau am Fensterbrett steht und sich in die Tiefe stürzt, kurz nachdem sie ihrem Mann entgegenruft "Mit wie vielen Frauen hast du mich betrogen?", und der Mann ihr "NOOOOOIIN" hinterherruft. Denn es wirkt so, als ob er unnötig grausam, seiner in den Tod stürzenden Frau auch noch die genaue Anzahl seiner Affären zuruft. Also "NOIN", wie Neun.

Und das sind alles nur ästhetisch-künstlerische Gründe, warum man Filme in ihrer Originalsynchronfassung sehen sollte. Es gäbe noch viele Gründe mehr. Wie zum Beispiel, dass gerade die Geschichte der deutschen Synchronisierung, was Zensur und Verfälschung von Inhalten angeht, keine rühmliche ist. Die berühmten Filme "Casablanca" und "Notorious" etwa wurden von Anti-Nazi-Filmen zu sauberen, unpolitischen Krimis und seichten Lovestorys degradiert. Auch, dass es nur gefühlte fünf verschiedene deutschsprachige Voice-Actors gibt, hilft wenig.

Es bleibt also dabei: In deutscher Synchro sollte man sich nur Easterns aus den 80ern und Filme mit Bud Spencer und Terence Hill ansehen.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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