FILM

Ist das eine Art Witz oder sowas?

womitverdientIch bin die erste im Kinosaal, doch dieser füllt sich schnell. Bald sind fast alle Plätze belegt und nach den üblichen Werbeeinschaltungen geht der Film "Womit haben wir das verdient?" los. Das Publikum ist durchmischt. Von Eltern mit ihren Kindern im Volkschulalter, bis Ehepaare, die ins hohe Alter reichen, sind alle vertreten.

" WOMIT HABEN WIR DAS VERDIENT?" ist ein Film von der österreichischen Regisseurin Eva Spreitzhofer. Es geht um eine Patchworkfamilie aus Wien. Die Eltern sind geschieden, haben beide neue Familien mit Kindern jeden Alters und feiern dennoch alle Feste, wie Geburtstage oder Hochzeiten gemeinsam – modern eben. In einer Therapiestunde der Tochter Nina (Chantal Zitzenbacher) gesteht diese ihren (geschiedenen) Eltern Wanda (Caroline Peters) und Harald (Simon Schwarz), dass sie über das Internet zum Islam konvertiert sei. Glaubwürdig macht dies ihre neue Kleidung, sie trägt ein Kopftuch. Ein Schlag ins Gesicht für die Mutter, die alles versucht hat, ihre Töchter feministisch zu erziehen. Anfangs schmeißen sich Mutter und Tochter die Argumente um die Ohren. Der Zuschauer ist hin und hergerissen zu welcher Seite er nun stehen soll; die rebellierende Tochter, die es jedoch anscheinend ernst meint oder die vernünftig scheinende, aber auch dezent politisch inkorrekte Mutter.

Nachdem sich der erste Schock lindert, versucht es Wanda statt mit Ausreden mit Verstehen. Gemeinsam mit der Mutter tastet sich das Publikum langsam an den Islam heran. Es geht in einen türkischen Supermarkt, in dem alles halal ist, zum Burkini shoppen, damit die Tochter nicht vom Schwimmunterricht ausgeschlossen wird oder in die Moschee, in der übertrieben misogyn gelehrt wird. Dabei werden einem in, natürlich mit vielen Klischees und Übertreibungen, geschmückten Szenen, die islame Religion nähergebracht.

Doch nicht nur der Islam mit Kopftuch und Koran sind Themen dieses Films. Es geht auch um die Patchworkfamilie oder den Feminismus. Über allen Themen steht jedoch das Erwachsenwerden. Situationen mit dem überforderten Vater, dem pubertierenden Stiefbruder oder der Tante mit dem hippen Lover, der alles gelesen oder in einer Doku gesehen hat, machen den Film lebendig aber auch unrealistisch. "Ein Klischee geht noch", hat sich wohl Spreitzhofer gedacht.

Die Idee zu dem Film kam der Regisseurin, als sie sich selbst vorgestellt hat, wie sie reagieren würde, wenn ihre Tochter mit einem Kopftuch bekleidet nach Hause käme und konvertiert sei. Das war der Startschuss zu einem großartigen Film.

Die österreichische Regisseurin hat mit diesem Werk neben sehr guter Unterhaltung auch einen Weckruf gestartet. Einen Weckruf aus der heutigen nach rechts rückenden Gesellschaft, die durch Politik oder Medien verbreitet wird. Auch wenn sich der Film vieler Klischees bedient, findet sich der ein oder andere in dieser Komödie wieder. Auf alle Fälle muss man ihn gesehen haben.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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