FILM

Hagazussa – Der Hexenfluch

hagazussa1Die deutsch/österreichische Koproduktion vom Wiener Regisseur Lukas Feigelfeld flog bei mir komplett unters Radar. Ein Fehler, wie ich letzten Monat erst feststellte, denn da habe ich einen würdigen Themencousin vom großartigen "The VVITCH" verpasst. Im Folgenden über den Film "Hagazussa".

HAGA-WAS?
Der Begriff "Hagazussa" sagte mir bereits etwas, bevor ich den Film kannte, nur musste ich mein Wissen dann doch noch einmal per Google-Suche auffrischen. "Althochdeutsches Wort für Hexe", fand ich als Suchergebnis und nicht darunter auch eine Antwort des mächtigen Googles, die mich erinnerte, woher ich den Begriff kannte. Es war eine Okto-TV-Sendung mit eben diesem Namen, die die ZuseherInnen mit allerhand Informationen über die Mysterienreligion "Wicca", oder auch "Religion der Hexen", versorgen sollte. Es war ein recht ulkiges Format und wenn ich mich richtig erinnere, hat die Moderatorin das Thema mit einer Portion Selbstironie und sympathischen Auftreten recht gut rübergebracht. Doch der Film? Der ist wirklich alles andere als spaßig, denn dieser slow burner schichtet zuerst den Scheiterhaufen minutiös auf, um ihn dann Stück für Stück niederzubrennen.

DER FILM
Ein österliches Bergdorf in den Alpen, Winter und Dunkelheit, Schnee und auch soziale Kälte, soweit das Auge reicht. Die Zeit ist Zeit-los, die Handlung in der Abgeschiedenheit könnte vom Spätmittelalter bis hinein in die Späte Neuzeit angesiedelt sein. Anders sein ist hier gefährlich. Es reicht eine ledige Frau zu sein, um anders zu sein, wie Albrun (Aleksandra Cwen) und ihre Mutter (Claudia Martini) erfahren müssen. Hierbei geht es nicht nur um bekannte Tabus, wie weibliche Lust und Sexualität abseits der Kontrolle patriarchaler Gesellschaftsstrukturen, sondern auch um weibliche Sexualität ohne Mann, sowie die Mutterschaft ohne Mann. Der Film illustriert gekonnt, dass das Patriarchat nicht nur von Männern getragen wird, auch Frauen in Machtpositionen können von diesem profitieren und zeigt dabei ein Beispiel für internalisierten Sexismus. Sexuelle Gewalt wird schließlich zur Bestrafung des Andersseins angewendet. Diese vielen Unterdrückungen werden untermalt durch Musik. Der Plural ist hier angebracht, weil nicht nur Weiblichkeit, sondern auch Emotionen, Geräusche, und durch eine konstante Wolkenendecke, selbst die Sonne, hier unterdrückt werden.

FAZIT
Wenn man den letzten Teil des Filmes beschreiben möchte, dann hat man hier ein Problem, denn, abgesehen davon, dass man nicht zu viel verraten will, hat man hier generell Probleme, die Handlung in Worte zu fassen. Den Bildern würde man mit einer reinen Verschriftlichung der Handlung nicht gerecht werden. Es ist ein gewichtiger und qualitativ hochwertiger Film, der erst beim mehrmaligen Ansehen seine volle Wirkung beim Betrachter und bei Betrachterin entfaltet. Ein wirklich erfreulicher, erfrischender Neuzugang in der Riege des österreichischen Films, der sich auch bei einem Vergleich mit internationalen Genrekollegen nicht zu verstecken braucht.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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