FILM

(Wolfs)Menschen am Sonntag – Der weite Schatten des Exils

Die heutige Filmlandschaft Hollywoods wäre ohne einige der schlimmsten geschichtlichen Ereignisse des 20. Jahrhunderts nicht das, was sie ist. Exil und Vertreibung, Verfolgung und Ermordung verbindet die Geschichten einiger der einflussreichsten Filmschaffenden des "Goldenen Zeitalters" des Films.

" MENSCHEN AM SONNTAG" aus dem Jahre 1930 war ein bahnbrechendes Beispiel der Neuen Sachlichkeit. Der Film dokumentierte einen sonnigen Sommersonntag einer Gruppe von Laienschauspielern, von denen nicht alle Laien bleiben sollten, zum Beispiel Kurt Gerron, dessen Verfolgung und Ermordung durch das nationalsozialistische Regime nicht unerwähnt bleiben sollte. Regie führten Billy Wilder, dieser muss wohl niemandem vorgestellt werden, Robert Siodmak, ebenfalls Regisseur einiger Klassiker des Film Noir, und Edgar Geord Ulmer, aber auch Curt Siodmak, Roberts Bruder, wirkte beim Film mit. Dieser sollte seinerseits ein Jahrzehnt später das Drehbuch zu "The Wolf Man" (1941) und vielen weiteren Horrorfilmen schreiben. Dass der Begriff "Werwolf" für die Nazis wichtig war, ist dabei kein Zufall gewesen.

wolfman klein

Verfolgung, Vertreibung, Flucht, Exil

Was all diese Filmschaffende vereinte, ist die Vertreibung durch das nationalsozialistische Regime, eine systematische Vertreibung aus ihrer Heimat und eine zwangsweise Anpassung an eine gänzlich andere Medienlandschaft, welche wiederrum ihrerseits nicht erst in den 30er-Jahren von diesen Filmschaffenden für immer verändert werden sollte. Filmschaffende jüdischer Herkunft, wie etwa der Regisseur Fred Zinnemann, verließen weitaus früher Deutschland, um in Amerika beim Film zu arbeiten (er arbeitete übrigens ebenfalls bei "Menschen am Sonntag" mit).

Oft vergessen wird hierbei jedoch, dass diese Gruppe an Geflüchteten keineswegs eine homogene Masse war und auch nicht auf jeden eine ruhmreiche Karriere in Hollywood wartete. Viele verschiedene Schicksale ereilten die Exilierten, wobei auch oft sprachliche Probleme dazu führten, dass einige Geschichten, hätten diese Personen nicht aus dem deutschsprachigen Raum fliehen müssen, anders verlaufen wären. So ist es oft die zweite Reihe der Exilfilmschaffenden, die auch heute weniger Beachtung findet, wobei darunter selbstverständlich ebenso talentierte Künstler*innen zu finden sind. So zum Beispiel Leon Askin (ich widmete ihm aus diesem Grund bereits einen  ARTIKEL IN DER VERGANGENHEIT), der als ewiger Charakterdarsteller zwar immer ein Teil Hollywoods war, aber nie wirklich im Rampenlicht, so spielte er bei Billy Wilders "One, Two, Three" auch nur eine kleinere Nebenrolle. Ähnlich erging es übrigens auch der Drehbuchautorin Gina Kaus.

Hollywood, nicht nur deutsche und österreichische Enklave

Viele Filmschaffende, die auch aus anderen Ländern vor dem Nationalsozialismus flüchten mussten, waren ebenfalls in Hollywood angekommen. Wer könnte zum Beispiel Szőke Szakáll in "Casablanca" vergessen, der eigentlich als Jenő Gerő Grünwald in Budapest geboren wurde. Oder der, ebenfalls aus dem damals ungarischen Gebiet stammende, unvergleichliche Peter Lorre, der als László Loewenstein in Rózsahegy, oder heute: Ružomberok, zur Welt kam, um hier nur zwei Beispiele zu nennen. Hierbei kann man auch gut erkennen, dass das Phänomen der zweiten Reihe hier sehr ähnlich zur Geltung kam.

Sieht man sich Filme aus den 1930er- und 1940er-Jahren an, so kommt man nicht umhin, zumindest den einen oder anderen Exilfilmschaffenden, der wegen seiner jüdischen Herkunft fliehen musste, in den Credits zu finden. Passend zur Fotoausstellung "Gegen das Vergessen"  sollten wir uns ihre durch Verfolgung geprägten Geschichten wieder öfter vor Augen führen. Wobei es eben nicht nur "Geschichten" sind, sondern schmerzhafte, reale Erlebnisse, die Millionen Menschen betrafen und immer noch betreffen.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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