FILM

Sind wir Gefangene unserer eigenen Erziehung?

kleinegermanen 02kleinSehr nachdenklich und bedrückt gehe ich aus dem Kinosaal. Unfassbar ist diese Welt für mich, in der diese Kinder aufwachsen. Ein demokratiefeindliches Umfeld, in dem sie nach dogmatischen Prinzipien rechtsextremer Ideologie erzogen werden. Ein Feld, dem viel zu wenig Beachtung geschenkt wird – bis zu dem Film "KLEINE GERMANEN".

Regie haben Mohammad Farokhmanesh und Frank Geiger geführt, gedreht wurde bereits 2016. In dem Animations- und Dokumentarfilm geht es um Kinder, die in einer Welt des Deutschnationalismus aufwachsen.

Einige von ihnen kommen nun in diesem Film als Erwachsene mittels Interviews zu Wort. Sie erzählen ähnliche Geschichten ihrer Kindheit. Sie waren alle glücklich, stressfrei und wünschen sich genau dies auch für ihre Kinder. Ein schmaler Grat liegt zwischen der Freiheit und den Regeln, an die sie sich halten mussten. Innerhalb ihrer Umgebung, ohne "Ausländer", ohne "Andersdenkenden" haben sie die vermeintlichen Freiheiten. Ein rechter Aussteiger, der als Kind von seiner Oma den Rassismus gelehrt bekommen hat, meint, dass Regeln Halt geben, aber auch die Freude schüren können. Ein Grund, warum Menschen in diesen Gemeinschaften leben, ist die Angst. Angst vor Neuem, Angst vor dem Fremden.

Kinder sind in dieser Welt hin- und hergerissen. Zuhause wird ihnen etwas anderes vorgelebt als in der Schule, was dort falsch erscheint, wird im Elternhaus begrüßt. Experten, wie beispielsweise Psychologen, kommen in diesem Film auch zu Wort.

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Die kleine Elsa

Für die Emotion in dem Film sorgt die animierte und leider wahre Geschichte von Elsa. Elsa, die ihren Namen so liebt, ihn aber bald verlieren wird. Ihr Leben wird von Kindesalter bis zur eigenen Familiengründung als Erwachsene beleuchtet und es wird gezeigt, dass dieses deutschnationalnahe Leben vielleicht doch nicht so perfekt ist, wie es scheint.

Die kleine Elsa, gerade noch im Kindergartenalter, trägt eine Uniform aus dem Nationalsozialismus, stellt sich stolz vor ihren Opa und sagt: "Für Führer, Volk und Vaterland." Ihr Opa lächelt sie an und umarmt sie innig. Elsa ist glücklich. Ihr Opa prägt das Mädchen das ganze Leben lang. Oft reicht nur einer in der Familie, um von dieser Bubble verschluckt zu werden. Im Alter verändert sich das Umfeld kaum, auch Elsa gibt gemeinsam mit ihrem Mann die Regeln ihrer Kindheit an ihre Kinder weiter – mit der festen Überzeugung, dass es das Beste sei. Doch nach und nach bröckelt ihr Bild von diesem Leben. Ist man einmal drinnen, ist es schwer zu entkommen. Das musste auch Elsa erkennen, als der Versuch des Ausstiegs mit einem tragischen Ereignis endet.

Der Film stellt die Menschen, die über dieses Leben reden, nicht an den Pranger. Gespannt hört man den Geschichten einer vermeintlich glücklichen und entspannten Kindheit zu. Auch Martin Sellner von den österreichischen Identitären wird interviewt, genauso wie Sigrid Schüssler, rechte Aktivistin und ehemalige NPD-Funktionärin. Beide sieht man in ihren beiden Welten, bei ihren hetzerischen Reden und sympathisch ausgelassen über eine schöne Kindheit reden.

Der Film ist sehr zu empfehlen, weil er die Tür zu einer Thematik öffnet, die bis heute unbearbeitet ist, aber auch so surreal erscheint, dass einem der Mund offen stehen bleibt. 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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