LITERATUR

Smaragdsuche zur Barockzeit

smaragdDas 17. Jahrhundert war wahrscheinlich für niemanden sonderlich unterhaltsam, ganz besonders am Land. Hossner vergisst bei seiner Beschreibung des ländlichen Lebens im Pinzgau keine Details. Die bäuerlichen Lebensumstände, die Widrigkeiten des Wetters und die extremen Auswirkungen auf das tägliche Leben, den Katholizismus und die Gegenreform, die Unterschiede zwischen Adel und Bauern. Alles kommt vor.

Die Schatzsuche, auf die Hossner den Taglöhner Christoff Jenner schickt, endet nämlich nicht nur mit Smaragden. Aber alles beginnt – wie nicht anders zu erwarten – mit einer Liebesgeschichte. Verbotene Liebe, heimliche Treffen am Heuboden (wir sind schließlich im 17. Jahrhundert) und eine uneheliche Schwangerschaft sind der Anfang vom Ende. Die reiche Bauerstocher Cecilia hat sich durch Christoff nämlich nicht nur ein Kind aufgebürdet, sondern ist auch noch zu stolz, um beim Pfarrer dafür zu büßen. Die Folgen sind fatal, Cecilia muss an den Pranger und die Beiden dürfen nie heiraten, um ihr Kind zu legitimieren.

Hossner beschreibt aber nicht nur das beschwerliche Leben des jungen Paares, sondern fokussiert die Träume der jungen Generation. Auch wenn „Der Smaragdsucher“ in der Barockzeit spielt: die Träume sind ähnlich. Cecilias Stolz und ihr Wunsch nach Freiheit, das Auftrotzen gegen die Eltern und Christoffs Weigerung sich den Regeln der Gesellschaft zu beugen. In Nebenrollen und trotzdem immer wieder im Fokus sind dabei Christoffs Schwester Barbara (die den Versuchungen des Adels erliegt) oder Cecilias Schwestern, denen es zumindest auf dieser Ebene ähnlich geht. Hossners Charaktere eint, dass ein Streben nach mehr – mehr Erfolg, eine bessere gesellschaftliche Position, mehr Geld, Freiheit, Anerkennung oder romantisches Hoffen, sie immer treibt. Keine der Personen ist je zufrieden mit dem, was sie haben. Kein Wunder, gibt es doch genug Mühsal zu überstehen - inklusive überfluteter Almhütten, Kerkerstrafen, Prostitution und einstürzender Berggruben.

Dennoch, das Blatt wendet sich. Entscheidend ist dafür Christoffs Begegnung mit dem dänischen Geologen Niels Strelsen. Im Auftrag von Anna de Medici sucht er in Salzburg nach Smaragden, Christoff ist sofort begeistert von der Idee. Die Beiden haben Glück, im Habachtal gibt es tatsächlich Smaragde. Übrigens auch im echten Leben. Hossner macht es seinen Charakteren aber nicht so einfach. Das Happy-End, das hier kommen könnte, gibt es einfach nicht.

Stattdessen eröffnen sich neue Welten. Wien, deutscher und ungarischer Adel, die Pest und Kuraufenthalte sowie das Leben in einem Steinbruch bieten viele Abwechslungen, machen aber nur wenig leichter. Nur so viel sei zum Ende verraten: Ja, auf eine gewisse Art schaffen sie es doch. Cecilia heiratet, und Christoff schafft es, der Pest zu entwischen. Allerdings ist an dem Punkt noch einiges von dem Buch übrig. Es bleibt also spannend, am Ende zahlen sich die vielen plötzlichen Wendungen auch aus.

Nett ist auch Hossners Epilog, in dem die weitere Familiengeschichte noch zusammengefasst wird.

Fakt ist: Der Smaragdsucher ist spannend geschrieben, abwechslungsreich und immer wieder überraschend. Hossner beweist mit der Geschichte nicht nur Kreativität, sondern auch seine Menschenkenntnis und schafft es, ein lebendiges Bild einer (fast) längst vergangenen Gesellschaft zu erzeugen. Für Zwischendurch, wenn es mal nicht super-aktuelle Gesellschaftskritik sein muss, also ein eindeutig empfehlenswertes Buch.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

Back to Top