LITERATUR

Inspiration kann alles sein

MOMENTAUFNAHMEN
Noch ist der April nicht vorbei. Noch müssen wir uns durch spontane Kälteeinbrüche kämpfen. Noch flüchten wir zu Melange und Wärme in das eine oder andere Lokal. So haben Magdalena Korecka und ich bei einer heißen Tasse dieser wunderbaren Erfindung, die sich Kaffee nennt, über Lyrik, Lieblingsgedichte, Sprache und Schreibgewohnheiten geplaudert. Magdalena ist das Schreiben in der Nacht zur Gewohnheit geworden, denn kurz vor dem Schlafengehen sind die Gedanken am lautesten. Dann verwandelt die Studentin allbekannte und unbekannte Situationen in poetische Momentaufnahmen. Anfangs hat sie nur für sich geschrieben. Schreiben an sich ist etwas sehr Intimes und hat hin und wieder eine fast heilende Wirkung, ein bisschen so wie ein Denkarium bei Harry Potter. Nachdem die Gedanken auf Papier gebannt sind, löst sich der Knoten im Kopf entweder, oder ist folglich noch verwirrter, sagt sie lachend. Seit Anfang 2016 teilt sie ihre Sprachbilder, Gedanken und Fotografien unter anderem auf ihrem Blog Magoomagisch.

korecka01"In dem Moment, in dem ich einen Text der Öffentlichkeit preisgebe, ist es zwar immer noch mein Text, aber er existiert dann auch ohne mich. Deswegen finde ich auch, dass es keine richtige oder falsche Interpretation von Texten beziehungsweise von meinen Texten gibt." Und natürlich empfindet jede Leserin und jeder Leser andere Assoziationen zu den von ihr geschriebenen Worten und spinnt diese in Gedanken weiter. Einmal hat eine Freundin eines ihrer Gedichte sogar schriftlich fortgesetzt. Magdalena schätzt den Austausch mit Sprachkünstlern und Sprachkünstlerinnen, sie schöpft daraus Motivation und Inspiration.

"Eine Freundin von mir schreibt zum Beispiel Romane im Fantasy Bereich. Ein anderer schreibt Kurzgeschichten, eine Rapsongs... Der Austausch, der da entsteht ist spannend."

 

POETRY IS NOT DEAD
...schreibt Magoomagisch auf ihrem Facebook-Profil.
Dieses Gefühl vermag die junge Poetin auch zu vermitteln. Ihre Arbeit besteht zu größten Teilen aus lyrischen Bildern, nur hin und wieder schummelt sich ein Prosa-Text dazwischen. Kunst ist für Magdalena unsterblich.

"Unsere Kunst, ist das Einzige, was für immer bleibt. Menschen sterben hier. Erinnerungen verblassen. Kunst lebt."1

Sprachlich wechselt sie dabei zwischen Deutsch und Englisch und manchmal sogar Polnisch, denn Magdalena ist bilingual aufgewachsen und studiert (unter anderem) Englisch. Wie sie sich beim Schreiben für eine Sprache entscheidet?

"Es kommt einerseits auf die Situation an, in welcher Sprache die erlebt wurde. Manchmal gibt es Wörter, die man in der Übersetzung erst lang umschreiben müsste... Ich denke nicht viel darüber nach. Und ich glaube, es hängt auch davon ab, in welcher Reihenfolge man Sprachen gelernt hat, aber auch von der Umgebung. Wenn ich in ein englischsprachiges Land ziehen würde, wäre mir wahrscheinlich Englisch eine Spur näher."

Gleichgültig ob Englisch oder Deutsch, Lyrik oder Prosa, Magdalenas Texte sind stets von einer sehr persönlichen Komponente ausgezeichnet und eine schöne Mischung aus Fiktion und Wirklichkeit. Sie lässt ihre eigenen Erfahrungen genauso einfließen wie das, was ihr von Freunden und Familie erzählt wird. Erlebnisse, Erzählungen, Fotografie, Fantasie, AutorInnen wie Charles Bukowski oder Wisława Szymborska. "Inspiration kann alles sein."

Lyrik passt sich geduldig einem Thema oder einer Stimmung an und ist für Magdalena deshalb so besonders, weil mit Rhythmen, Sprachbildern, offenen Enden und Lautmalerei gespielt werden kann. Magdalenas Kunst sind Gedichte als Ausdrucksmittel für Momentaufnahmen und Gefühle, um die Welt in ihrer Schönheit und ihrem Schmerz darzustellen.

"Finding beauty in pain is what art does."2

LYRISCHES TAGEBUCH
"Sind deine Gedichte also zum Teil eine Art lyrisches Tagebuch?"
"Ja, so könnte man es auch sehen..."
"Also das ist jetzt nur meine persönliche Interpretation deiner Lyrik..."
"Keine Interpretation ist falsch."
"Darf ich dich zum Schluss um eine Momentaufnahme unseres Treffens bitten – hast du Lust spontan ein paar Zeilen darüber schreiben?"

korecka02

 

Kaffee. Wasser.
Emotionale Fotografie eines alten Mannes.
Barfuß. Kling-Kling.
Reden. Reden. Reden.
Reden tu ich gerne.
doch Schreiben ist
meines Herzens
Intention.

 

 

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1 Zitat aus einem (noch) unveröffentlichtem Text "Kunst lebt"
2 Zitat aus einem (noch) unveröffentlichtem Text "artsodeep"

 

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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