LITERATUR

Österreich für Optimisten

Österreich für Optimisten 1Das ganze klingt nicht sehr sinnvoll und wie eine witzige Idee für die Autoren zum Zeitvertreib, aber (nicht ganz so) überraschenderweise ist es auch tatsächlich ein sehr interessantes und lehrreiches Buch. Also, je nach Ansichtsweise. Der Aufbau ist einfach und logisch. Ein gemeinsames Gespräch zwischen dem ehemaligen Bundespräsidenten und dem Wirtschaftskammerpräsidenten, moderiert vom ehemaligen Profil-Chefredakteur Herbert Lackner. Ein Beitrag von Heinz Fischer, ein Beitrag von Christoph Leitl. Insgesamt 140 Seiten, die für Optimismus sorgen sollen.

Nun ja. Die Grundprämisse, dass die politische Lage kurz vor der Wahl durcheinander und wenig optimistisch ist, ist sicher richtig. Ob und wie man das lösen kann, ist aber eine weitaus kompliziertere Frage. Den Anfang macht das Gespräch, das Hintergründe erklärt, Situationen zusammen fasst und Meinungen offen legt. Interessant, teilweise informativ und privater als erwartet, sind so ungefähr die Begriffe, die mir dazu einfallen. Es ist nett, aber noch nicht der große Grund für Optimismus. Und dann kommt Fischer.

Heinz Fischer ist bis letztes Jahr für viele einfach „der Bundesheinzi“ gewesen. Immer da, fast immer nett lächelnd und obwohl keiner so genau weiß, was er außer Gesetze unterschreiben so macht, immer kompetent wirkend. Gut, er war ja auch in genug anderen Rollen wie als Nationalratspräsident in der Politik, da sammelt man viel an Erfahrung und Kompetenz. Aber tatsächlich legt Heinz Fischer in seinen Beitrag zu dem Buch viel politische Expertise und vor Allem viel Grund zu Optimismus. Fischer zeigt die Lehren der Vergangenheit, erklärt teilweise (vom Gefühl her) wo die Angst her kommt. Er bietet nicht unbedingt eine ultimative Lösung, aber ruft auf nachvollziehbare Weise zu Räson auf. Und dabei lernt man auch noch. Viel. Über die gesamte Geschichte der Republik und direkt damit zusammenhängend irgendwie auch auf die aktuelle politische Lage.

Christoph Leitl dagegen ist zwar optimistisch und bietet auch viele Inhalte, die ich noch nicht gekannt habe. Aber es sind halt doch eher Inhalte, die nach dem politischen Programm der Wirtschaftskammer klingen. Es sind zwar viele Hintergründe und Statistiken, die Grund zu Optimismus darstellen, aber wie sie genutzt werden, klingt eher nach Lobbying. Wenn Österreich das macht, wenn wir diese Chance nutzen, wenn wir dort investieren. Es sind Vorschläge, die fundiert präsentiert werden, soweit ist alles dem Motto entsprechend. Aus wirtschaftlicher Sicht können diese Argumente so ja auch wirklich Grund zu Optimismus sein. Aber Leitl lässt ein bisschen zu sehr durchklingen, dass dafür seine Vorschläge umgesetzt werden müssen. Zumindest ich habe viele dieser Aspekte nämlich noch nicht so detailliert gekannt und könnte mich auch nicht daran erinnern, sie in diesem Detail aus der Politik gehört zu haben. Was für mich den Verdacht nahe legt, dass gewisse Eigeninteressen beim Schreiben mit hineingespielt haben.

Im Gesamtbild ist Österreich für Optimisten weniger ein Buch für Optimisten, als ein Aufruf zum Optimismus. Dafür aber mit Hintergrundwissen und aussagekräftigen Argumenten. So gesehen gibt es tatsächlich keinen besseren Zeitpunkt für das Buch als jetzt kurz vor der Wahl.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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