LITERATUR

Weird Fiction from Austria

Weird Fiction, Pulp, Groschenromane oder einfach Schund. Die Literaturgattung, von der ich diesmal berichten möchte, hat viele Namen und ebenso viele Autoren und Stile und ist mir im Laufe meiner Reise durch unzählige Universen und Geschichten sehr ans Herz gewachsen. Deshalb hat es mich ungemein gefreut, dass es sich ein Autor zum Ziel gemacht hat, unsere schöne Stadt Wien zur Kulisse seiner trashig-subversiven Geschichten zu machen – "but let's not get ahead of ourselves".

Als der Begründer des Genres, oder besser einer der Begründer, kann wohl mit gutem Recht Edgar Allan Poe genannt werden, denn seine Geschichten sind nicht nur schaurig und geheimnisvoll, sondern vor allem eines: seltsam, oder eben im Englischen "weird". Er zählte auch zu einem der größten Vorbilder Howard Phillip Lovecrafts, der mit seinem Grauen jenseits unserer Vorstellungskraft ganze Generationen von LeserInnen bis heute in seinen Bann gezogen hat – der aber auch der Begründer des wohl ältesten Schreibzirkels der Welt war. Er erschuf eine Art "open source"-Universum, deren Erweiterung er nicht nur duldete und förderte, sondern aktiv mit tausenden Briefkorrespondenzen forcierte (u.a. Frank Belknap Long, August Derleth, Lin Carter u.v.m.) Der unter-, und manchmal auch durchaus überschwellige Rassismus seiner Erzählungen soll hier nicht unerwähnt bleiben, aber andernorts, eventuell in einem eigenen Artikel, näher unter die Lupe genommen werden.

morbus01Spulen wir die Geschichte bis heute vor, so haben wir eine breite Landschaft an Subgenres und AutorInnen, einer von ihnen ist Werner Skibar aka "Charly Blood" der mit Waltraud Lengyel aka "Zoë Angel" die Serie "Morbus" erschaffen hat und viel zu wenig Aufmerksamkeit dafür bekommt:

Wien in den 80ern, allerhand verrückte Bösewichte und -wichtinnen tummeln sich in der Hauptstadt, von denen viele nicht einmal menschlich sind, oder gar aus unserer Dimension kommen! Da hilft nur eine Institution, wenn selbst die fähige (und wohl bald auch berittene) Wiener Polizei nicht mehr weiter weiß: die Helden der Organisation "Basilisk". Das letzte Bollwerk zwischen den oftmals, manchmal, hin und wieder, unbescholtenen BürgerInnen Wiens und den Mächten des Bösen, das sein Hauptquartier tief unter dem Stephansdom, dem Herzen der Stadt, hat.

Warum die 80er? Ganz einfach, weil diese Epoche mit seiner einzigartigen Neon-Endzeit-Ästhetik nicht nur bis heute Filmschaffende und Musiker beeinflusst, sondern eine Renaissance für Horror und Science-Fiction, Pulp oder Großproduktion darstellte, alles hatte neuen Schwung.

So ist es nur passend, auch die Wiener Monsterjäger in dieser Zeit anzusiedeln, zudem diese Dekade speziell in der Hauptstadt einen ganz eigenen Charme hatte. Kottan ermittelte in den Straßen, Falco sang sich mit einem internationalen Hit zum Erfolg und selbstverständlich empfing das legendäre "U4" schon damals seine Gäste mit ein bisschen Stil und einer gehörigen Portion Trash – wie die Abenteuer der Morbus-Reihe.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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