LITERATUR

Sci-Fi und Fantasy made in Austria

märchenwald

Vor einiger Zeit stellte ich euch Charly Bloods und Zoë Angels Pulp-Geschichten vor, die das Wien einer alternativen Realität als Spielplatz hatten. Dass sie sich damit in bester Gesellschaft befinden, beweisen diese tollen Science-Fiction- und Fantasy-Romane made in Austria.

märchenwald03Zunächst sollte wohl angemerkt werden, dass zwei der vorgestellten Romane Teil des Rollenspieluniversums "Shadowrun" sind. In einer nicht allzu weit entfernten Zukunft geben sich hier Trolle und Elfen, Cyborgs und Künstliche Intelligenzen die Klinke in die Hand, denn neben technischem Fortschritt, dem Sci-Fi-Element des Universums, ist hier vor allem das Ereignis, welches allgemeinhin als das "Erwachen" bezeichnet wird, eines der zentralen Ereignisse des fiktiven Universums. Das "Erwachen" beschreibt die Zeit, in der vormals schlummernde Erbanlagen in der DNA einiger Menschen an die Oberfläche traten, und sie so zu Elfen, Trollen, Orks, Gnomen und sonstigen Wesen der Sparte Fantasy mutierten. Zauberei kam erstmals ebenfalls durch dieses Ereignis in dies Welt.

Auch Wien ist in dieser verrückten Welt nicht von den Mutationen verschont geblieben. In einer dystopischen Zukunft zwischen wahnsinnigen Blutmagiern und allmächtigen Konzernen sowie einen Cyberpunkableger der lieben Gegenwarts-FPÖ, versuchen so der abgehalfterte alte Wiener Magier Donner und ein steirischer Ork Namens Pepi ihr Glück zu finden. Leo Lukas’ Roman "Wiener Blei" von 1998 ist voller Wiener Schmankerl und österreichischen Spezialitäten und bei weitem kein billiger Sci-Fi, nein, sondern bissig politisch und top aktuell – als ob Qualtingers "Herr Karl" auf der "Enterprise" stattfinden würde.

märchenwald01In ein ähnliches Horn stößt Christian Riesslegger mit seinem Werk "Cash" von 2009. In dieser Geschichte geht es um Karo Ass, eine kybernetisch verbesserte Frau für alle, die mit Datenklau und unbefugtem Betreten zu tun haben. Der Begriff "Internet-Troll" wächst hier zu völlig ungeahnten Dimensionen an. Themen wie Flüchtlinge und Krieg sowie mangelnde Zivilcourage werden aufgegriffen und allegorisch verhandelt. Keiner kann sich hier einer gewissen Schuld entziehen.

Zwei Romane, die in ihrer eigenen, von ihrem Autor erfundene, Welt stattfinden, sind Michael Ingers "Heiss" und "Nagel". Diese sind im Gegensatz zu den "Shadowrun"-Romanen reine Fantasy-Bücher. Das Jahr: 1900. Der Ort: Wean, seines Zeichens Hauptstadt von Knödelreich-Paprikan. Korruption, Wärmekraftwerke und brotlose Zauberstudenten sind hier an der Tagesordnung und auch wenn der sozialkritische Faktor nicht so angriffslustig erscheint, ringen die Beschreibungen des Anderswelt-Wiens einem doch einige Schmunzler ab.

Das war allerdings bei weitem nicht alles, was Wien und Österreich an Fantasy-Literatur zu bieten haben, sondern soll ein Ansporn, ein Aperitif, ein Vorgeschmack sein, auf das, was alles unter der Oberfläche dieser Stadt schlummert. New York hat seine Broadway-Kanal-Alligatoren – wir haben die Mariahilferstraßen-Cyborgdrachen!

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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