LITERATUR

Ausweitung der Literaturzone

literaturzone01Als Österreicherin und Europäerin muss ich mir eingestehen, dass ich mich in all den Jahren immer nur mit europäischer, und hier vor allem deutschsprachiger Literatur auseinandergesetzt habe. Von den spanischsprachigen AutorInnen kannte ich nur die allerbekanntesten wie Octavio Paz oder Isabel Allende.

Nun möchte ich in diesem Artikel einen weiteren Schriftsteller vorstellen, der eventuell den einen oder die andere dazu bewegt, sich ein Buch von ihm zu kaufen. Einer der bekanntesten mexikanischen Autoren ist Juan Rulfo. Geboren 1917, war seine Kindheit und das Leben seiner Verwandten geprägt durch die mexikanische Revolution (1910–1920), den Guerra Cristera (1926–1929) und den frühen Verlust seiner Eltern.

Eines seiner bekanntesten Werke trägt den Titel "Pedro Páramo". Darin begibt sich ein junger Mann namens Juan in das abgelegene Heimatdorf seines Vaters, und seiner Mutter, nachdem er dieser am Totenbett versprochen hatte nach seinem Vater zu suchen, die diesen noch hochschwanger verlassen hatte und vom Land in die Stadt gezogen war. Am Weg dorthin trifft er zunächst auf einen seiner Halbbrüder, jedoch geht diese Begegnung relativ emotionslos über die Bühne. In dem Dorf angekommen wird dem Leser durch den Erzähler zunächst mitgeteilt, dass es sich um ein Geisterdorf handelt. Das heißt alle Personen, auf die Juan hier trifft, sind tot, nur er weiß noch nichts von seinem Glück.

An vielen Stellen erkennt man mexikanische Eigenheiten, die man heute noch spüren bzw. auch sehen kann. Unter anderem der starke religiöse Glauben, der sich mit den Vorstellungen der indigenen Bevölkerung vermischt hat – so werden in der Kirche Fichtennadeln verstreut, um darauf zu knien und zu beten, was wiederum daran erinnern soll, dass die indigene Bevölkerung früher in der freien Natur gebetet hatte, das fast manische Anzünden unzähliger Kerzen bevor man Gebete in die Luft spricht, das sich Bekreuzigen, wenn man an einer Kirche vorbeigeht, immer wieder und wieder alles zu beichten oder die Absolution des Pfarrers zu erhalten um in den Himmel zu kommen, sobald man stirbt, die einem auch noch nach seinem Tod genommen werden kann.

Das Buch handelt von der mexikanischen Revolution und dem Versuch die Aufständigen durch Geld und Waffen zu kontrollieren, von Großgrundbesitzern, die sich alles nehmen, was sie wollen, weil mit ihnen das Dorf steht oder fällt, von Landflucht, Aberglauben und dem Patriachart, jedoch auch von unerfüllter Liebe und einer merkwürdigen Akzeptanz dieser. So realistisch es auf der einen Seite ist, so abenteuerlich ist es auf der anderen Seite.

Manche Charaktere beginnen zu halluzinieren (oder zu träumen?). Irgendwann weiß man nicht mehr, wo man sich gerade befindet. Dieser Fakt wird auch dadurch verstärkt, dass erstens die Erzählperspektiven sehr häufig wechseln, zweitens ist das Buch nicht chronologisch aufgebaut, es beginnt sozusagen mit dem Ende und zwischen drinnen ist es wiederum nicht linear, und drittens ist man sich manchmal eben nicht sicher, ob das Geschriebene gerade tatsächlich passiert oder in der Imagination eines Charakters stattfindet.

Es passiert viel in diesem Buch, manchmal fast zu schnell, aber es ist es auf jeden Fall wert, um mit mexikanischer Weltliteratur zu beginnen und sich darin zu vertiefen.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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